Let’s talk about S*X

Heute habe ich mal wieder mit einer Freundin von mir telefoniert. Sie ist eine von meinen „Sex and the city“- Freundinnen. So nenne ich die Eingeweihten, mit denen ich ganz offen und entspannt über Sex sprechen kann. Über die TV-Show reden wir aber eigentlich gar nicht. Nachdem bei mir aufgrund der Quarantäne unter tags immer meine zwei kleinen Kinder in Hörweite sind, musste ich beim Sextalk etwas kreativer sein, als sonst.


Sie fragte mich, was es Neues bei mir gäbe. Mit offener Ehe, unter Quarantäne gab es nicht viel zu berichten. Einzig, dass ich meinem Langzeitschwarm wieder schreiben wollte, aber nicht konnte, weil ich im Zorn seine Nummer gelöscht hatte. Zum Glück gibt es noch Facebook und Instagram. Dann fragte sie mich nach meiner Affäre in Deutschland, aber auch dieses Thema war schnell durch: Wir schreiben uns und telefonieren, mehr nicht. Anschließend wollte sie wissen, ob ich von „Single-Dad“ noch etwas gehört hatte. Letztes Jahr hatte er mich zum Frühstück zu sich nach Hause eingeladen und daraus war dann doch viel mehr als Kaffee geworden. Ein wenig wehmütig dachte ich an diesen Vormittag zurück. Ja, „Single-Dad“ konnte wirklich guten Kaffee kochen. Er war zwar nicht unbedingt Barista, aber die paar Tassen Kaffee waren wirklich gut gewesen. Ich hätte nichts dagegen, wenn wir noch ein, zwei Kaffees miteinander trinken würden. Aber vermutlich muss ich ihn zu all den Eiskaffees meiner Vergangenheit zählen und einfach in guter Erinnerung behalten.
Meine Kaffeemaschine zuhause ist sowieso die Beste, die ich je hatte. Aber trotzdem ist eine andere Sorte oder Marke hin und wieder eine nette Abwechslung. Deswegen haben mein Mann und ich ja auch beschlossen, gelegentlich auch mal mit anderen Leuten Kaffee zu trinken.
Als ich im Alter von knapp 17 Jahren zur Kaffeeliebhaberin geworden bin, habe ich zunächst 3 Jahre fast durchgehend dieselbe Sorte getrunken. Immer dieselbe Marke, aus immer dergleichen Tasse. Auch die Zubereitung war stets gleichbleibend: Milch unten und Kaffee oben drauf. Eine Art Latte Macchiato. Dabei kam meine Milch nicht ein einziges Mal zum Schäumen. Aber in diesem zarten Alter musste man als Frau das auch zunächst selbst lernen, wie man erfolgreich Milchschaum bekam, bevor man das von jemand anderem erwarten konnte. Schließlich musste man erst mit so einer Milchschaumdüse zurechtkommen. Gelegentlich war dafür auch eine komplizierte Bedienungsanleitung notwendig. Nach diesen 3 Jahren probierte ich ein paar verschiedene Coffee Shops aus. Ich wollte keine fixe Kaffeemaschine, sondern viel Abwechslung.
Rückblickend betrachtet waren diese Coffee Shops ganz ok, aber auch nicht ganz das Wahre. Schon nach einem halben Jahr des Durchprobierens legte ich mir wieder eine Maschine für zuhause zu. Ein chinesisches Modell, leider kein integrierter Milchschäumer, aber mit einem batteriebetriebenen Zusatzgerät war das kein Problem. Die chinesische Kaffeemaschine war zwar etwas kleiner, als man das von mitteleuropäischen Geräten gewöhnt ist, aber allgemein eine attraktive Erscheinung und kreativ in der Kaffeezubereitung. Auch an Abwechslung hat es hier nicht gefehlt. Ich würde hier prinzipiell eine klare Kaufempfehlung geben. Andererseits möchte ich zu bedenken geben, dass dieses spezielle Modell gerne für mehrere Konsumentinnen parallel Kaffee zubereitet und das vermutlich ohne dabei Filtertüten zu benutzen. Fazit: Als Leihgerät über ein Jahr einwandfrei, sollte dann jedoch zurück- bzw. weitergegeben werden.
Danach hab ich eine Zeit lang nur mehr Espressi getrunken. Kurz und stark, aber niemals zweimal den gleichen. Als ich eigentlich noch mehr kosten und probieren wollte, fand ich durch Zufall meine Traummaschine. Ein Vollautomat, mit Milchschäumer und allem drum und dran. Doch zuerst war ich noch nicht bereit für ein Endgerät, es war noch zu früh für mich. Es dauerte jedoch nicht lange und ich wurde süchtig nach dem brühend heißem Kaffee und dem Gerät. Das war einfach der beste Kaffee, den ich je hatte und dieses Modell konnte sie alle: Espresso, Latte Macchiato, Cappuccino und noch viele mehr. Also entschied ich mich schließlich für einen Dauervertrag anstatt nur für ein Lebensabschnittsleihgerät und habe es nie bereut.
Zwischendurch fand ich dann doch noch zwei Sorten, die ich gerne probieren wollte. Ich gebe es zu, trotz meiner Traummaschine zuhause, musste ich zumindest einen kleinen Schluck kosten. Etwas später hatte ich dann die Lizenz vom Standgerät daheim, zu zwei externen Verkostungen gehen zu können.
Der erste war eine mexikanische Sorte. Ich hatte mir einen feurigen, temperamentvollen Kaffeegenuss erwartet, wurde aber leider herb enttäuscht. Ein fader Café con leche (mucho leche) in Darreichungsform eines Espressos. Da ich es einfach nicht wahrhaben wollte, dass eine mexikanische Sorte so langweilig war, probierte ich es ein zweites Mal, aber es war nicht besser. Wenigstens war die Filtertüte dicht.
Danach lernte ich noch eine seltene, ungarische Sorte kennen. Schon vom ersten Moment an wusste ich, dieser Kaffee war einmalig. Nach langem hin und her – dieser Kaffee war leider sehr schwer zu bekommen – fand endlich eine Kostprobe statt. Diese Sorte ist wirklich nur für Genießer und fortgeschrittene Barista-Liebhaber, Dunkin Donuts- Freaks, Starbucks-Verächter und Macchiato-Fans geeignet und verträglich. Diesen Kaffee hätte ich wirklich gerne wieder, am liebsten in Kombination mit meinem Standgerät zuhause. Ich wünschte, ich hätte noch die Servicenummer, unter der ich diese Sorte bestellen konnte.
Meine andere Freundin hat seit etwa einem Monat ein neues Gerät. Obwohl sie schon länger keinen Kaffee mehr getrunken hat, ist sie mit der neuen Maschine nicht ganz zufrieden. Sie hat in dem vergangenen Monat erst sieben Kaffees getrunken und findet allgemein, dass das Gerät immer nur im Espresso-Modus läuft. Ich meinte, sie sollte etwas nachsichtiger sein, schließlich ist dies ein etwas älteres Modell als der Vorgänger, quasi secondhand. Vielleicht lag es auch an der Marke. Deutsche Geräte sind zwar zuverlässig mit langer Garantie, aber mitunter nicht so feurig oder röstig wie ihre italienischen Kollegen. Vielleicht wäre mehrmaliges Entkalken von Hand ganz hilfreich? Zur Not gäbe es ja auch so kleine, blaue Entkalkungstabletten, die wahre Wunder bewirken könnten.
Wenn ich eine neue Kaffeemaschine habe, probiere ich sie richtig durch. Dann will ich viele Tassen hintereinander, verschieden Sorten und Varianten. Verdammt, sogar an verschiedenen Orten. Deswegen kann ich meine Freundin nicht so richtig verstehen.
Umso glücklicher bin ich, dass meine Kaffeemaschine immer funktioniert und alles macht, was ich von einem guten Kaffee erwarte.