Teufels Küche

Die Gretchen-Frage Teil III. Hier geht es zur Gretchen-Frage Teil II.

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„Nein, ich kann dir noch keine konkrete Verdachtsdiagnose nennen, aber gib akutes Abdomen als Einweisungsgrund an.“… „Wir brauchen keinen RTW, ich bringe sie höchst persönlich. Danke dir, alter Freund! Bis gleich!“

Schon dieses Telefonat war Heinrich nicht leicht gefallen. Das bevorstehende Gespräch mit Gretchen würde ihn einiges an Überwindung kosten. Völlig fertig lag sie im Bett und zwang sich zu einem Lächeln. „Machen wir weiter?“, fragte sie als ob nichts gewesen wäre. „Ja, wir machen weiter, mein Gretchen. Aber dafür fahren wir ins Krankenhaus.“, fiel er mit der Tür ins Haus. „Wie meinst du das?“, wollte sie von ihm wissen. „Ich würde dich gerne durchchecken lassen. Du hast ganz offensichtlich doch Bauchschmerzen und leichte Temperatur. Dazu die Übelkeit, das gefällt mir gar nicht.“ „Werden die dort eine Blutabnahme machen?“. „Ich denke, dass das notwendig ist, ja“, antwortete er ehrlich. Sie schien kurz zu überlegen. „Bleibst du bei mir?“, fragte sie mit zitternder Stimme und feuchten Augen.

„Ja, ich bleibe bei dir“, versprach er und drückte ihr einen beruhigenden Kuss auf die Stirn. „Also gut, dann fahren wir“. Es musste ihr tatsächlich schlecht gehen, dass sie so einfach ohne Widerrede mitkam, dachte er sich. Heinrich wollte ihr vorschlagen, ein paar Kleinigkeiten in eine Tasche zu packen. Jedoch verwarf er den Gedanken gleich wieder. Wenn er auch nur im Ansatz erwähnte, dass sie vielleicht im Krankenhaus bleiben musste, würde sich die Hinfahrt viel komplizierter gestalten. Wahrscheinlich würde sie dann überhaupt nicht mit ihm mitfahren wollen.

Vorsichtig half er ihr auf und nahm ihre Handtasche. Ungeschickt schlüpfte sie in ein Paar flache Sandalen. Heinrich half ihr dabei und schloss auch für sie die Wohnungstüre ab. Sie stützte sich auf ihn, um zum Lift zu gelangen. Die Fahrt vom 3. Stock nach unten kam ihr ewig lange vor. Die stickige Luft in der engen Kabine schien ihr die Kehle einzuschnüren. Unten angekommen, war ihr schwindelig und sie konnte sich nur noch mit viel Mühe auf den Beinen halten. Der erfahrene Mediziner stützte sie weiterhin und begleitete sie sicher zu seinem Wagen. Er half ihr hinein und legte ihr sogar den Sicherheitsgurt an. Mittlerweile war sie ganz blass und kaltschweißig. Er fühlte ihren rasenden Puls am Handgelenk. Jetzt hieß es, keine Zeit zu verlieren. Zum Glück war die Klinik, in der Heinrichs Freund Valentin arbeitete nur ungefähr eine Viertelstunde Autofahrt von hier entfernt.

Gekonnt manövrierte Heinrich den Wagen durch enge Gassen und den mittelstarken Nachmittagsverkehr. Eine Kreuzung überquerte er noch, obwohl die Ampel schon auf Rot umgeschaltet hatte. Margarete neben ihm hatte den Kopf an die Lehne gestützt und schien zu schlafen. „Gretchen, jetzt nicht schlafen, wir sind gleich da!“, ermahnte er sie. Langsam öffnete sie die Augen und sah ihn an. „Gut, schau nach vorne und erzähl mir, was du siehst!“, forderte er sie auf. „Häuser“, stammelte sie leise. „Und was noch?“, hakte er nach. „Autos“, war ihre einfache Antwort. „Weiter! Was siehst du noch?“. „Krankenwagen.“ „Ja du hast Recht mein Gretchen, das ist ein Krankenwagen“. Er sprach mit ihr, wie mit einem Kleinkind. „Wir sind schon da“, verkündete er und war erleichtert, dass sie weiterhin bei Bewusstsein war.

Mit quietschenden Reifen hielt er in der Einfahrt der Notaufnahme an. Er schnappte sich seine kleine Patientin und trug sie durch die automatische Schiebetüre in das Gebäude hinein. Auf halbem Weg kam ihm schon Valentin entgegen, der die beiden bereits erwartet hatte. „Leg sie gleich hier auf die Liege“ begrüßte Valentin seinen langjährigen Freund und Studienkollegen. „Wir bringen sie in die Eins, da ist schon alles vorbereitet. Grelles Licht blendete Gretchens Augen und es fiel ihr schwer, sie weiter geöffnet zu halten. „Ich bin Dr. Wagner, ich werde mich jetzt um Sie kümmern“, stellte sich Valentin bei seiner Patientin vor. „Haben Sie im Moment irgendwelche Schmerzen?“ „Ja, hier“; antwortete sie und zeigte auf ihren rechten Unterbauch. Heinrich kam mit in den Behandlungsraum und übernahm nun die für ihn sonst ungewohnte Rolle des besorgten Angehörigen. Was er über Margaretes Beschwerden wusste, hatte er Valentin bereits am Telefon mitgeteilt. Hilflos stand er neben der Liege und hielt Gretchens Hand, die seine fest umklammerte. Ein gutes Zeichen, dachte er sich. Sie sah ihn an und richtete ihre ganze Konzentration auf Heinrich. Sie merkte beinahe gar nicht, wie ihr ein EKG, eine Blutdruckmanschette und ein Fingerclip angelegt wurden. „Tachykardie bei 110, Blutdruck im Keller, Sättigung bei 95%“ rief eine Schwester. „Zugang legen, Notfallsblute abnehmen, Blutgruppe bestimmen und Volumen im Schuss“ ordnete Dr. Wagner an. Alles ging so unglaublich schnell, dass Margarete kaum spürte, wie ihr der venöse Zugang gelegt wurde. Erst als sie kurz hinsah, umklammerte sie Heinrichs Hand noch fester. Nachdem die Infusion angeschlossen worden war, dauerte es nicht lange und Gretchen schien es etwas besser zu gehen. Eine Krankenschwester nahm ein Ohrthermometer zur Hand, um bei Margarete Fieber zu messen. „Genau 38°C.“ teilte sie den Wert mit. „Vitalzeichen sonst gerade im Normbereich“, ergänzte sie. „Schön, dann machen wir mal etwas gegen die Schmerzen. Fürs erste 1g Paracetamol anhängen und Ultraschall vorbereiten. Dr. Wagner wollte schon das kalte Gel auf Margaretes Bauch verteilen, als diese fragte: „Kann ich vorher bitte noch zur Toilette gehen? Ich muss ganz dringend.“. Die Infusion war bereits zur Hälfte in Margarete eingelaufen. Kein Wunder, dass sie einen starken Harndrang verspürte. „Na gut, aber nur in Begleitung der Schwester“. „Ich kann doch mit ihr gehen“, bot Heinrich an. „Nein, du bist jetzt privat hier“. „Schwester Gabi, bitte begleiten Sie Frau Koller zum WC.“, forderte Dr. Wagner seine Kollegin auf. „Harnstreifentest und Kultur abnehmen“ ergänzte er. Nachdem Schwester Gabi ihre Patientin von allen Kabeln befreit und die Infusion für den Gang zur Toilette abgehängt hatte, machte sie sich langsam mit ihr auf den Weg. Sorgenvoll blickte Heinrich ihr hinterher.

„Ich hätte doch auch in die Allgemeinmedizin gehen sollen, so wie du“, bemerkte Valentin mit einem Augenzwinkern. „Vor allem, wenn man da so hübsche Patientinnen zu sehen kriegt, wie deine Frau Koller“, fuhr er fort. Heinrich, der in Gedanken ganz bei Gretchen war, antwortete seinem Freund nicht. „Wieso wolltest du ihr zuerst eine Lektion erteilen und sie unter falschen Voraussetzungen hier in die Mangel nehmen.“ Da wurde Dr. Bach plötzlich hellhörig. „Valentin, ich erkläre dir das gerne später ausführlich. Aber in der Zwischenzeit kein Wort zu Gretchen, versprich mir das.“ „Du bist mir ihr also per Gretchen?“

Derweil kämpfte sich Gretchen Meter um Meter auf dem Gang mit blauem Linoleumboden voran. Die Wände waren weiß gestrichen und zu Gretchens Glück mit einem Handlauf aus Holz versehen. Sie klammerte sich daran fest und schleppte sich weiter voran. Der scharfe Geruch von Desinfektionsmittel lag in der Luft, vermischt mit dem süßlichen Duft des Todes. Zumindest empfand das Gretchen so. Sie war zuvor erst einmal in einem Krankenhaus gewesen. Damals war ihr Großvater im Krankenhaus verstorben. Gretchen war gerade einmal 4 Jahre alt gewesen. Seitdem roch es für sie in einem Krankenhaus nach Tod und Verwesung, zumindest bildete sie es sich ein.

Obwohl es ihr schon etwas besser ging, war der kurze Weg äußerst beschwerlich für sie. Aufgrund der Schmerzen hielt sie sich leicht nach vorne gekrümmt und kam nur sehr langsam voran. Aber immerhin spielte ihr Kreislauf wieder mit. Erschöpft ließ sie sich auf die Toilette nieder und versuchte erfolglos den Gedanken zu verdrängen, dass der Sitz nur so vor Bakterien wimmeln musste. Als sie in den kleinen Becher pinkelte, viel ihr sofort auf, dass auch Blut dabei war. Nicht auch das noch, dachte sie sich. Es war ihr furchtbar peinlich, ausgerechnet jetzt ihre Regelblutung zu bekommen. Aber von „Regel“ konnte bei Gretchen keine Rede sein, denn sie hatte einen sehr unregelmäßigen Zyklus und musste daher immer mit einer unangenehmen Überraschung rechnen. Praktischerweise fand Margarete auf der Toilette wenigstens frische Binden, obwohl ihr ein Tampon bei weitem lieber gewesen wäre. Sie nahm sich eine davon und kam mit der Harnprobe in der Hand wieder zu Schwester Gabi, die vor der Türe auf ihre Patientin gewartet hatte. Der erfahrenen Krankenschwester fiel natürlich gleich auf, dass die Harnprobe mit Blut versetzt war. „Hab grad meine Tage bekommen“, entschuldigte sich Gretchen.

Zurück im Behandlungsraum wurde Gretchen wieder an den Überwachungsmonitor angeschlossen und war dankbar, nach diesem kleinen Ausflug wieder liegen zu dürfen. Schwester Gabi führte inzwischen den gewünschten Harntest durch. Heinrich war froh, Gretchen wieder neben sich zu haben. Der Gang zur Toilette hatte ihm zu lange gedauert und er hatte sich schon Sorgen gemacht. „Herr Dr. Bach, vielleicht möchten Sie sich einen Kaffee vom Automaten holen?“, schlug Schwester Gabi vor. „Wir kümmern uns auch gut um Ihre Patientin in der Zwischenzeit“, versicherte sie ihm. Heinrich hatte um keinen Preis vor, Margarete jetzt alleine zu lassen. Valentin, der Schwester Gabis Versuch, Dr. Bach für ein kurzes Patientengespräch loszuwerden, durchschaut hatte, mischte sich ein. „Heinrich, sei doch bitte so nett und melde Frau Koller beim Schalter noch an, dann können wir das Administrative hier abschließen. Damit wäre uns sehr geholfen“, betonte er mit Nachdruck. Auch Heinrich hatte den Code verstanden und gab nach, wenn auch nur sehr ungern.

Die Krankenschwester wartete noch einen Augenblick, bis sich die Tür hinter Dr. Bach geschlossen hatte. „Der Harn ist blutig, aber sonst von den Standardwerten her unauffällig.“ „Und was wollten Sie mir dann nicht im Beisein von Dr. Bach berichten?“, fragte Dr. Wagner leicht genervt. „Das Beta-HCG ist positiv“, erklärte Schwester Gabi und zeigte ihm den positiven Schwangerschaftstest.

Überrascht sah Dr. Wagner seine Patientin an. Sie schien nichts von der Schwangerschaft zu ahnen. Er warf Schwester Gabi einen bedeutungsvollen Blick zu. „Piepen Sie meine Frau an. Angesichts der Lage möchte ich, dass der Ultraschall gleich von einer Gynäkologin durchgeführt wird.“ Margarete hatte die Unterhaltung zwar mitbekommen, jedoch nicht verstanden, worum es ging. Nur das Wort Gynäkolgin jagte ihr einen eiskalten Schauer über den Rücken. Gerade als sie fragen wollte, wie es jetzt weitergehen würde, zog Dr. Wagner einen Rollhocker heran und setzte sich zu ihr. Zu seinem Glück blieb ihm das Überbringen schlechter Nachrichten erspart, denn genau in diesem Moment betrat seine Frau das Behandlungszimmer. Sie war eine echte Erscheinung und sah unglaublich gut aus mit ihrer schlanken Figur und ihrem wunderschönen roten Haar, das sie zu einem lockeren Dutt zusammengefasst hatte.

Ihr Auftreten strahlte sowohl Souveränität als auch Professionalität aus. Genau diese Eigenschaften würden viele Patientinnen beruhigen und ihnen das Gefühl geben, in guten Händen zu sein. Doch Margarete schüchterte genau das neben der Profession von Frau Dr. Wagner zusätzlich ein. Ihr perfektes Make-up und der weiße, enganliegende Kittel brachten ihr Vorzüge zu Geltung. Neben ihr kam sich Gretchen klein und unscheinbar vor. Ausgerechnet von Isabella F***ing Rossellini musste sie sich zwischen die Beine schauen lassen und dabei würde es sicherlich nicht bleiben. Zum Glück hatte Gretchen an diesem Morgen ihre Beine frisch rasiert und ihren Intimbereich epiliert. „Eigentlich möchte ich das gar nicht. Mir geht es schon wieder besser. Kann ich nicht einfach gehen?“, flüsterte Margarete zu Schwester Gabi, die nur bestimmt den Kopf schüttelte. Mühsam richtete sich Gretchen auf der Liege auf. „Aber mit meiner Regelblutung ist mir das sehr unangenehm. Ich will da nicht untersucht werden“, versuchte sie es verzweifelt weiter. Doch Schwester Gabi blieb hart und deutete ihr, sie solle sich wieder hinlegen. Wo blieb eigentlich Heinrich so lange?

Zwischenzeitlich informierte Dr. Wagner seine Frau über den aktuellen Zustand ihrer gemeinsamen Patientin. „Ich vermute eine extrauterine Gravidität. Am besten, du siehst es dir selbst an“, schloss er seinen Bericht ab. „Welches Spekulum soll ich herrichten, Frau Dr. Wagner?“, fragte Schwester Gabi. „Ich muss mir einen ersten Einblick verschaffen, dann sehen wir weiter“, antwortet die Gynäkologin. Obwohl sie wie eine echte Furie aussah, klang ihre Stimmen weich und sanft. Sie trat ans Fussende der Liege und betätigte einen Schalter an der Unterseite. Links und rechts kamen Fußstützen zum Vorschein. „Bitte legen sie Ihre Füße in die Schalen, die Sie hier an beiden Seiten sehen. Zitternd und den Tränen nahe kam Gretchen ihrer Aufforderung nach. „Können wir vielleicht noch auf Heinrich warten?“, fragte sie mit bebender Stimme. Gerade weil sie nicht genau wusste, was auf sie zukommen würde, hatte sie furchtbare Angst. Valentin ging dazwischen, er musste ihr nun endlich die Situation erklären. „Frau Koller, wir haben den sehr starken Verdacht, dass sie schwanger sind“. Gretchens verbliebene Farbe wich ihr aus dem Gesicht. Schockiert sah sie ihn an. „Das kann nicht sein“, stammelte sie leise vor sich hin. „Wie oft ich das schon gehört habe“, zischte Valentin und verdrehte seine Augen. „Valentin, bitte! Etwas mehr Fingerspitzengefühl!“, wies ihn seine Frau zurecht. „Ich muss sowieso nach meinen Assistenzärzten sehen. Piep mich an, wenn du mich brauchst“, sagte er noch, bevor den Behandlungsraum verließ. „Geht es dem Baby gut?“, schoss es Margarete plötzlich ein. „Ich kann es noch nicht mit Sicherheit sagen, was da los ist. Dafür müsste ich Sie zuerst eingehend untersuchen“.

Heinrich, der sich viel zu lange mit dem Papierkram herum geschlagen hatte, eilte den Korridor entlang, zurück zu Gretchen. Beinahe wäre er in seinen Freund Valentin gelaufen. „Du hast es aber eilig“, meinte dieser ein wenig schnippisch. „Natürlich, ich will zu Margarete, wenns dir Recht ist“, erwiderte er hastig und wollte schon weiter gehen. „Sie will dich nicht dabei haben. Du musst solange vor dem Behndlungsraum warten.“ Verdutzt blieb Heinrich stehen. „Wenn du hier bist, wer kümmert sich dann jetzt um Gretchen?“, wollte er wissen und eine Woge der Angst überkam ihn. „Vera ist bei ihr und schallt sie gerade. Es sieht nicht gut aus. Zum Glück hast du sie so schnell her gebracht.“, erklärte Valentin und wollte gerade weiter gehen. „Was ist mit ihr? Wieso habt ihr eine Gynäkologin hinzugezogen?“, fragte er noch und war sich nicht sicher, ob er für die Antwort bereit war. „Heinrich, bitte, ich habe dir ohnehin schon viel zu viel gesagt. Du musst einfach warten und dann selbst mit Frau Koller sprechen. Ich muss jetzt leider weiter, aber ich verspreche dir, dass ich später nach ihr sehen werde.“ Mit diesen Worten verschwand Valentin langen Schrittes. Heinrich schlurfte zurück zum Behandlungszimmer und nahm davor auf einem dieser Klappstühle, die an der Wand montiert waren, Platz. Doch er konnte nicht still sitzen. Nervös tigerte er auf und ab. Dabei ließ er die Tür zum Behandlungsraum nicht aus den Augen.

„Reiß dich zusammen, es geht um dein Baby!“, wiederholte Gretchen diese Worte in ihrem Kopf, wie ein stärkendes Mantra. Sie musste ihre Angst überwinden. Hier und jetzt. Und das ganz alleine. Wie gerne hätte sie Heinrich jetzt bei sich gehabt. Aber auf der anderen Seite, wie hätte sie ihm ihre Schwangerschaft erklären sollen? „Ok, machen Sie die Untersuchungen, die Sie eben machen müssen“, sagte Margarete entschlossen, obwohl sie am liebsten schreiend davon gelaufen wäre. Frau Dr. Wagner zog sich Untersuchungshandschuhe an und half Margarete aus ihrem Höschen. Sie sah sofort, dass die Binde bereits von Blut durchtränkt war. „Schwester Gabi, vergessen Sie das Spekulum. Da ist zu viel Blut. Ich werde da nichts sehen können. Vaginalschallkopf, sofort“, ordnete sie an, wobei ihre Stimme nicht mehr sanft oder weich klang. Margarete versuchte sich krampfhaft zu entspannen und locker zu lassen, was genau das Gegenteil zur Folge hatte. Dr. Wagner, deren Geduld sich langsam dem Ende zuneigte, wandte sich erneut an die Krankenschwester im Raum. „Halbe Ampulle Valium i.v und das zackig“. Das Medikament wirkte rasch und schon merkte Gretchen, wie die innere Anspannug einfach von ihr abfiel. Ihre Knie fielen locker zur Seite und sie fühlte sich, als wäre sie in Watte gepackt. Gleichzeitig wurde sie auch ein wenig müde, aber sie musste wissen, wie es um ihr Baby stand. Plötzlich fühlte sie, wie etwas Langes, Hartes in sie eindrang. Konzentriert blickte Dr. Wagner auf den Bildschirm des Ultraschallgerätes. „Valentin hatte Recht“, bestätigte sie die Verdachtsdiagnose ihres Mannes. Sie widmete sich nun ganz ihrer Patientin. „Frau Koller, Sie haben eine Eileiterschwangerschaft, so wie wir es befürchtet haben. „Aber das Baby können Sie doch retten, oder?“, fragte Margarete mit schluchzender Stimme. „Nein, leider nicht. Der Embryo liegt im rechten Eileiter und es sieht so aus, als könnte er jeden Moment zu einer Ruptur führen.“ Margarete hörte nur noch ein Rauschen und konnte durch ihren Tränenschleier nicht mehr klar sehen. Sie zitterte am ganzen Körper und ihre Lippen bebten vor Verzweiflung. „Wir müssen Sie sofort in den OP bringen“, ordnete die Frauenärztin an. Daraufhin erhielt Margarete die zweite Hälfte Valium und es wurde ganz dunkel um sie herum.

Sandra bekommt eine Spritze

Sandra war heute bei ihrer Gynäkologin die auch ihre Arbeitskollegin im Krankenhaus ist. Sie war etwas spät dran, aber hätte sich ruhig etwas Zeit lassen können. Noch ganze 40 Minuten musste sie warten, bis sie endlich an der Reihe war. Der Gedanke an die bevorstehende Spritze bereitete ihr Unbehagen und die Wartezeit verging qualvoll langsam. Hoffentlich würde die Ärztin heute nicht ihren Blutdruck kontrollieren. Endlich wurde sie ins Untersuchungszimmer gerufen. Nach einem ausführlichen anamnestischen Gespräch wurde Sandra zur Untersuchungsliege gebeten. „Mach‘ dich schon mal untenrum frei, ich bereite alles für den Abstrich vor“ sagte die Ärztin zu ihrer Patientin. Aus Bequemlichkeit zog Sandra ihre Hose und ihren pinkfarbenen Tanga bis zu den Knöcheln hinunter und legte sich auf die Liege. Auf dem Rücken liegend stellte sie die Beine auf und ließ sie locker zur Seite fallen. Als Frau Dr. Keller zu ihrer Patientin kam, hatte sie bereits eine gute Sicht auf ihre glatt rasierte Scham. Sie trug bereits Handschuhe und hatte ein langes Wattestäbchen in der Hand. Dieses führte sie so tief wie möglich ein. Es dauerte nicht lange und die Ärztin verpackte das Untersuchungsmaterial sachgemäß. „So Sandra, entspann dich mal. Schön locker lassen, ich mach’ gleich den Tastbefund.“ erklärte die Gynäkologin. Sie verteilte ausreichend Gleitgel auf ihrem rechten Mittel- und Zeigefinger und führte beide gefühlvoll in Sandras Vagina ein. Sie musste ihre Finger noch etwas weiter rein schieben. „Portio weich, gut verschieblich. S minus 5. So weit alles in bester Ordnung“. fasste sie das Ergebnis der manuellen Untersuchung zusammen. Sandra war froh, dass alles ok war. „So, wenn du dich jetzt auf die linke Seite drehen magst, kann ich dir auch gleich die Spritze rein jagen“ schlug sie mit einem freundlichen Lächeln vor. „Naja, nicht unbedingt rein jagen, wenns geht. Aber was sein muss, muss sein“ antwortete Sandra eher kleinlaut. Dr. Keller bereitete die Vitamin B Spritze vor und holte einen Tupfer zur Hautdesinfektion. Sandra lag halb nackt auf der Untersuchungsliege und zuckte zusammen als der nasse Tupfer ihre Pobacke berührte. Ihr Herz schlug ihr bis zum Hals. Dennoch versuchte sie sich zu entspannen. Die Ärztin ertastete die Punktionsstelle und wischte nochmals drüber. Reflexartig zog Sandra ihr Bein an und legte ihre zierliche Hand schützend über die vermeintliche Injektionsstelle. „Ganz ruhig, ist doch halb so schlimm“ versuchte die Frauenärztin ihre etwas ängstliche Patientin zu beruhigen. Sandra legte sich wieder brav in dieselbe Position wie zuvor. „Es tut mir leid, aber bei Spritzen kann ich einfach nicht anders“ erklärte sie entschuldigend. „Na du bist mir vielleicht eine Krankenschwester“ entgegnete Dr. Keller ein wenig belustigt ihrer Kollegin. Erneut desinfizierte sie den rechten äußeren Quadranten. Sehr behutsam setzte sie die Nadel an. „Achtung jetzt piekst es kurz.“ sprach die Ärztin eine freundliche Warnung aus. Sandra schloss die Augen und atmete tief durch. Da spürte sie schon, wie sich die lange spitze Nadel in sie hinein bohrte. Jetzt noch kurz still halten, bis die 5ml injeziert sind, dachte sie sich. „So, schon vorbei. Du kannst dich wieder anziehen“ kommentierte die Gynäkologin das Ende der Injektion. Wow, das hat ja gar nicht weh getan! „Danke, das hast du echt toll gemacht!“ lobte Sandra die erfahrene Ärztin. „Oh, die Einstichstelle blutet ganz leicht nach.“ bemerkte Dr. Keller und klebte ein Pflaster darüber.

Sandra zog sich wieder an und setzte sich nochmals zur Frau Doktor an den Schreibtisch, welche schon Stethoskop und Blutdruckmanschette vorbereitet hatte. Zuerst legte sie sanft die Manschette um Sandras linken Oberarm. Dann taste sie nach dem Puls an ihrem schmalen Handgelenk während sie per Manometer die Manschette stetig aufpumpte. Das Stehtoskop hatte sie bereits um den Hals hängen. Sie steckte sich noch die Oliven in die Ohren legte die Membran in der Ellenbeuge ihrer Patientin an. Langsam ließ sie die Luft aus. „115/80.“ verkündete sie zufrieden den Blutdruckwert. So eine schöner Wert, und das nach der fiesen Spritze!

Den nächsten Termin bei ihrer Gynäkologin würde Sandra erst im August haben. Aber die nächste Spritze , das wusste sie, würde nicht so lange auf sich warten lassen.

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Ende