Überraschung beim HNO-Arzt: Teil II

Hier geht es zum ersten Teil der Geschichte…

Die nächsten drei Wochen vergingen wie im Flug. Der Ablauf war mittlerweile gut eingespielt. Hanna zog sich hübsch an und achtete auf zusammenpassende Unterwäsche. Die Infusionen ließ sie sich beinahe anstandslos verabreichen, nur bei den Vitaminspritzen zickte sie ein wenig herum, was dem stets so charmanten Miguel immer wieder ein verschmitztes Lächeln entlockte. Während der gesamten Behandlung flirteten sie miteinander, dass die Funken nur so sprühten. Zum Abschied gab es dann immer ein Küsschen auf jede Wange, wobei Miguel der zweiten Wange immer einen Hauch mehr Zärtlickeit schenkte und sich einen Augenblck länger an sie schmiegte.

Der letzte Behandlungstag war viel zu schnell gekommen. Hanna war spät dran und musste sich hetzen, um rechtzeitig in Miguels Ordination anzukommen. Unten auf der Strasse standen ein Rettungswagen (RTW) und ein Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) genau vor seinem Hauseingang. Halb in Alarmbereitschaaft nahm Hanna das Szenario im Vorbeifahren war, als zwei Sanitäter eine Trage ausluden und im dunklen Hauseingang verschwanden. Ums Eck hatte sie einen Parkplatz gefunden und hechtete die Stufen hinauf zur Facharztpraxis. Oben angekommen, stellte sie erleichtert fest, dass der Notfall wohl nicht in der HNO-Praxis stattgefunden hatte. Atemlos betätigte sie den Summer an der Tür und trat ein. Sie war überrascht, ein menschleeres Wartezimmer vorzufinden. Nicht einmal Miguels Sprechstundenhilfe schien heute da zu sein. Er trat aus einem Behandlungsraum hinaus und wollte sie gerade begrüßen, als ihm auffiel wie abgehetzt und vor allem kurzatmig sie an der Wand lehnte. „Alles ok mit dir?“, fragte er besorgt. „Ja, geht schon. Ich bin nur aus irgendeinem Grund wie eine Wahnsinnige die Stiegen rauf gesprintet, weil ich dachte, du hättest einen medizinischen Notfall hier oben.“ Ihr Herz hämmerte noch immer wie wild im Inneren ihres Brustkorbs. Miguel sah sie perplex an und wusste gar nicht, was sie meinte. „Unten vor deiner Haustür“, sie schnappte nach Luft, „stehen sowohl ein RTW als auch NEF“, berichtet sie und merkte, dass sich ihre Atmung nur langsam normalisierte. „Aso. Im Stock über mir hat ein Internist seine Ordination. Ich schätze mal, dass das der Einsatzort ist. Komm doch erst mal rein und setz dich auf die Liege. Du siehst irgendwie erledigt aus.“ Hanna schenkte ihm ein müdes Lächeln, bevor sie Platz nahm. „Ich bin einfach so gestresst im Moment“, gab sie zu. „Der neue Job und alles drum herum, ich hab das Gefühl, als würde ich das nicht mehr lange durchhalten.“, gestand sie ihm. Er nahm sie in den Arm und drückte sie kurz an sich. Draußen am Gang wurde es plötzlich laut, als sich die Sanitäter abmühten den übergewichtigen Patienten auf der Trage runter zu schleppen. „Ja, ja. Das waren noch Zeiten. Kannst du dich erinnern, als wir beide noch im Rettungsdienst aktiv waren?“ fragte sie, als ob sie plötzlich von neuer Energie durchflutet werden würde. „Ja, klar“, antwortete er prompt. „Ich hab dir übrigens immer noch nicht verziehen, dass du damals den Nachtdienst nicht mit mir gefahren bist.“, sagte er und sah ihr dabei tief in die Augen. „Was wurde damals eigentlich aus dir und diesem Notfallsanitäter, mit dem du die Nacht vebracht hast?, fragte er weiter nach und schien sie mit seinen Augen bereits auszuziehen. „Also, erstens haben wir nicht die Nacht zusammen verbracht, sondern hatten einen wirklich anstrengenden Dienst.“ Wir waren fast die ganze Nacht durchgehend unterwegs. „Und zweitens?“, fragte er schmunzelnd nach. „Kein zweitens. Wir waren für ungefähr ein Jahr ein Paar und danach haben wir uns wieder getrennt“, erklärte sie sachlich. „Und jetzt? Hast du keinen Rettungssanitäter mehr an deiner Seite?“, flüsterte er ihr schon fast ins Ohr und war ihr so nah wie noch nie. „Nein“, stotterte sie. „Jetzt habe ich keinen Sanitäter mehr an meiner Seite“, antwortete sie kaum hörbar. Allein durch seine Nähe beschleunigte sich ihr Puls fühlbar. Unbewusst hielt sie den Atem an. Spätestens jetzt wäre der Zeitpunkt gekommen, ihn nach seinem Ehering zu fragen. Aber Hanna wollte es in diesem Moment gar nicht wissen. Plötzlich spürte sie seinen warmen, weichen Mund und erwiderte seinen zärtlichen Kuss. Mit beiden Händen hielt er ihr Gesicht fest, während seine Zunge ihren Mund erforschte. Sie fühlte sein Verlangen, seine Leidenschaft. Sie wusste einfach, dass er sie wollte. Hier und jetzt. Sie haderte mit ihrem Gewissen, konnte sie tatsächlich mit einem verheirateten Mann schlafen? Doch wie von selbst strichen ihre zierlichen Hände durch sein leicht gewelltes Haar. Sie konnte gar nicht lange darüber nachdenken. Miguel und Hanna hielten einander fest umschlungen und bedeckten sich gegenseitig mit gierigen Küssen. Ihr Gewissen wurde damit nun endgültig zum Schweigen gebracht. Seine Hand wanderte langsam ihren Rücken hinab. Geschickt öffnete er ihren BH durch ihre Bluse bevor er ihren Po zärtlich streichelte. Einen Augenblick lang sahen sie sich tief in die Augen bevor die brennende Lust von ihren beiden Körpern Besitz nahm. In der Hitze des Gefechts rissen sie sich gegenseitig die Kleider vom Leib, die überall auf dem Boden verstreut landeten. Mit seinen kräftigen Händen umfasste er ihren Po und hob sie hoch. Hanna schlang ihre langen Beine um sein Becken und spürte dabei wie sich seine Erektion gegen den Spitzenstoff ihres Tangas presste. Er hingegen fühlte deutlich die feuchte Wärme in ihrem Schritt. Mit einem sanften Ruck setzte er sie auf der Untersuchungsliege ab. Routiniert griff er hinter sich in die oberste Lade eines schmalen Regals und brachte ein Kondom zum Vorschein. Hastig schob er die Boxershort nur weit genug nach unten, um an sein bestes Stück heran zukommen. Mit einer Hand hielt er ihren Nacken fest, während er sie leidenschaftlich küsste. Mit der anderen schob er den Tanga beiseite und drang in sie ein. Beide stöhnten auf, als wäre nun endlich das passiert, was ihnen beiden bestimmt war. Hanna rutschte mit ihrem Becken etwas nach vorne und umklammerte Miguels Körper mit ihren Beinen. Sie hielt sich an seinen Schultern fest und zog ihn noch näher zu sich heran. Er war so tief in ihr, dass sie glaubte, jeden Moment zu zerspringen. Im Rhythmus ihrer beiden Körper schienen sie sich zu vereinigen bis sie in einem gigantischen Feuerwerk der Lust zu explodieren drohten. Hannas Wände zuckten unkontrollierbar und melkten Miguel auf eine Art und Weise, dass er fürchtete, den Boden unter den Füßen zu verlieren. Atemlos und von Endorphinen durchflutet lehnte Miguel sich an Hanna an. Mit seiner rechten Hand liebkoste er ihren Oberschenkel. Dabei fiel ihr sein Ehering erneut ins Auge. Schamesröte stieg ihr ins Gesicht und sie wendete sich von ihm ab. Miguel wusste instinktiv sofort was los war. „Ich werde es dir bald erklären. Es ist kompliziert. Aber bitte, versprich mir, dass wir uns Wiedersehen“, flehte er und küsste das kleine Muttermal über ihrem Knie. Sie brachte nur ein stummes Nicken zustande, bevor sie sich wieder anzog. Genau in diesem Moment klingelte es an der Tür. Auch Miguel war wieder vollständig angezogen. „Ich erwarte noch eine Patientin“ erklärte er ruhig. „Ich ruf‘ dich nachher an, einverstanden?“, fragte er hoffnungsvoll und gab ihr einen innigen Abschiedskuss, den sie erwiderte. Auf dem Weg nach draußen kam ihr eine hübsche, langbeinige Blondine entgegen. Im Vorübergehen schien sie Hanna mit einem wissenden Blick zu mustern. Schlagartig wurde ihr etwas klar: sie war vermutlich nur eine von Vielen.


ENDE

Lana kanns nicht lassen

Dominik

Guten Morgen mein Schatz! Ich hoffe, du hast gut geschlafen! Na, wie war euer Mädels-Abend?

10:20 am

Lana

Hab gut geschlafen, sind aber erst um halb fünf ins Bett gegangen 😉

10:22 am

Dominik

Oh, na dann hattet ihr sicher eine Menge Spass 😉

10:22 am

Lana

Naja, sind um ein Uhr morgens zu Tessa ins Krankenhaus gefahren

10:22 am

Dominik

Wieso denn das? Was ist passiert???

10:23 am

Lana und ihre Freundin Nicoletta hatten sich spontan zu einem Mädels-Abend verabredet. Ihre gemeinsame Freundin Tessa hatte, wie schon so oft, wieder mal Nachtdienst in der Notaufnahme des Marienkrankenhauses. Doch das hielt die Freundinnen nicht davon ab, sich Sushi zu Nico nach Hause zu bestellen und einen gemütlichen Filmabend nur zu zweit zu machen. Nach dem Essen gönnten sich die Mädels einen erfrischenden Gin Tonic und plauderten eine Weile über die Neuigkeiten aus ihrem Leben. Als sie endlich den ersten Film einlegten, war es schon recht spät und Lana hatte bereits leichte Kopfschmerzen. „Ok, kein Alkohol mehr für heute“, dachte sich Lana und holte sich dazwischen immer wieder mal ein Glas Wasser aus Nicos moderner Designerküche. Als „Sandy“ und „Danny“ endlich glücklich vereint in einem schönen Cabrio über den riesengroßen LED-Bildschirm flogen, hatte Lana schon fürchterliche Kopfschmerzen. Aber sie wollte noch nicht ins Bett gehen und den lustigen Abend für beendet erklären. Sie hatte sich so auf dieses Treffen gefreut. Einfach mal wieder ein bisschen Zeit weit weg von stinkenden Windeln und Kindergeschrei verbringen, das war ein kleiner Luxus, den sich Lana ab und zu mal gönnte. Also hielt sie noch tapfer durch, obwohl sich schon eine leichte Übelkeit bemerkbar machte. Nico und Lana beschlossen, sich das Remake von „Dirty Dancing“ anzusehen, obwohl sie schon von vornherein auf eine Enttäuschung gefasst waren. Schon nach den ersten 15 Minuten des Films wurde Lana so schlecht, dass sie ins obere Badezimmer eilte und sich möglichst leise übergab. Ob das Erbrechen nur alleine von der fiesen Migräneattacke ausgelöst worden war oder ob es auch an dem furchtbar schlechten Film lag, sei für den Moment erst mal dahin gestellt.

Lana spülte sich gründlich den Mund aus und wischte sich die verlaufene Wimperntusche weg. Sie sah fürchterlich aus. Aber bei dem schummrigen Licht im Wohnzimmer würde das Nicoletta hoffentlich nicht auffallen. Sie ging wieder nach unten und machte es sich auf der gemütlichen Couch bequem. Doch bald wurde sie schon wieder von der hartnäckigen Übelkeit übermannt. „Du Nico, ich bin schon echt k.o., können wir schlafen gehen?“ fragte Lana matt. „Ja klar, der Film ist sowieso nix Besonders“. Lana konnte ihren Brechreiz noch so lange unterdrücken bis die beiden Frauen oben im Doppelbett lagen. Dann gab sie schließlich zu, extreme Kopfschmerzen zu haben. Daraufhin eilte sie ins Bad und knallte die Tür hastig hinter sich zu. (Die Details hierzu erspare ich euch lieber)

„Nico, bist du noch wach?“, wollte Lana von ihrer Freundin wissen, als sie nach einer gefühlten Ewigkeit wieder aus dem Badzimmer zurück gekrochen kam. „Ich bin noch voll fit. Warum?“, kam prompt Nicos Antwort. „Können wir bitte zu Tessa in die Notaufnahme fahren? Sie hat ja heute Dienst und kann mir sicher eine Infusion oder so anhängen.“ „Ist es echt so schlimm?“, fragte Nicoletta besorgt nach. „Hast du denn deinen Migränespray nicht mit?“. „Nein. Ich hab‘ heute Handtaschen umgeräumt und ihn wohl vergessen.“, gab Lana beschämt zu. „Ok, na ich zieh mich schnell an und dann können wir los.“, meinte Nico und rollte sich aus dem Bett. Sie hatte die Angewohnheit, nur in Unterwäsche zu schlafen. Lana, die ein peinliches T-Shirt mit bunten Donuts und einer Pyjamahose mit der Aufschrift „Juicy“ quer über ihren Hintern trug, bat Nico noch um einen weiteren Gefallen: „Kannst du dir bitte auch nur irgendeine Schlabberhose anziehen?“ Nicoletta musste unwillkürlich lachen. Selbst in solchen Situationen verlor Lana niemals ihren Humor. Die fesche Blondine entschied sich jedoch für eine enganliegende Jeans und ließ ihre Freundin somit modemäßig im Stich. Doch das war Lana egal. Sie wollte nur, dass die Kopfschmerzen und die Übelkeit endlich aufhörten.

Zum Glück war das Krankenhaus von Nicos Zuhause nicht weit entfernt. Schon nach einer zehnminütigen Fahrt mit dem Auto hatten die jungen Frauen ihr Ziel erreicht. In weiser Voraussicht hatte Nicoletta Tessa schon von unterwegs angerufen, um ihr Bescheid zu geben. Die erfahrene Krankenschwester erwartete bereits ihre beiden Freundinnen. „Sag‘, was machst du immer für Sachen?“ begrüßte sie die leidende Lana, als sie zur Türe herein gewackelt kam. „Übrigens, fescher Pyjama!“. Obwohl es Lana ziemlich dreckig ging, antwortete sie schlagfertig: „Wenn du nicht zum Mädels-Abend kommen kannst, dann kommt eben der Mädels-Abend zu dir“. Ein schwaches Lächeln huschte über ihre Lippen. „Komm Lana, wir bringen dich in den Schockraum“, erklärte Tessa und schob ihre Freundin bestimmt einen langen Gang entlang. „Was heißt denn Schockraum? So schlimm ist es nun auch wieder nicht! Außerdem, was ist wenn ein echter Notfall rein kommt?“, protestierte Lana. „Keine Panik! Der ist offiziell gesperrt, weil das Beatmungsgerät defekt ist. Außerdem kannst du dich da hinlegen und musst nicht im Warteraum neben den ganzen Simulanten sitzen.“ Tessa war eine echte Ambulanzschwester wie sie im Buche stand. Resolut und schlagfertig, mit dem Herz am rechten Fleck. Letzteres wusste Lana genau in dieser Situation sehr zu schätzen.

Kaum lag Lana auf der Krankenliege, musste sie schon unwillkürlich daran denken, wer wohl zuletzt darauf gelegen hatte und ob die Liege auch tatsächlich desinfiziert worden war. Tja, einmal Schwester, immer Schwester. Selbst als Patientin konnte sie es nicht ablegen. Im nächsten Augenblick rollte Tessa einen voll beladenen Infusionsständer heran. „So, dann zeig‘ mal, was du hast“, forderte die Ambulanzschwester ihre Freundin auf und machte sich sogleich auf die Suche nach einer geeigneten Vene für einen Zugang. Heimlich, still und leise versuchte sich Nico aus dem Staub zu machen. „Hey, wo willst du hin?“, fragte Lana, der Nicolettas schwacher Fluchtversuch nicht entgangen war. „Ich hab’s nicht so mit Blut. Ich kann da nicht zuschauen.“, rechtfertigte sich Lanas Freundin. „Bitte komm wieder her, ich brauch‘ jemandem zum Hand quetschen, ich hab‘ echt Panik vor Nadeln“, gab Lana zu. „Was bist denn du für eine Krankenschwester? Du kannst doch nicht Angst vor Nadeln ha

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ben“, meinte Nico amüsiert. „Als Patientin ist das aber was Anderes“, wandte Lana ein. Nico hatte ein wenig Mitleid und kam wieder zurück zum Händchenhalten. Lana kniff fest die Augen zu, obwohl Schwester Tessa gerade mal die rechte Ellenbeuge desinfiziert hatte. „Au, au, au!“, jaulte Lana schon. „Ich hab‘ doch noch gar nichts gemacht“ bemerkte Tessa trocken. „Ich weiß, das war prophylaktisch“, gab Lana kleinlaut zu. „Ärzte und Krankenschwestern sind wirklich die schlimmsten Patienten“, meckerte Tessa und versenkte währenddessen den rosafarbenen Venflon in Lanas Ellenbeuge. „Au, au, au!“, jammerte Lana wieder lauthals, während sie Nicos Hand beinahe zerquetschte. „Jetzt bist du aber zu spät dran. Ist doch schon längst wieder vorbei.“, erklärte Tessa und konnte sich dabei ein Grinsen nicht verkneifen. „Oh. Okay. Hast eh gut gestochen“, antwortete die Patientin verlegen. „Und was bekommt unsere liebe Lana da Schönes von dir?“, wollte die etwas bleiche Nicoletta wissen. „Perfalgan®, Zofran® und Vertirosan®.“ „Na Mahlzeit, das klingt nach sehr viel Chemie“, war Nicos Kommentar zu der verordneten Therapie. „Klar hört sich das für dich nach viel an, du hast ja nicht mal eine Hausapotheke!“, brachte Lana leicht vorwurfvoll heraus. Nico ignorierte dies.

Lana döste immer wieder mal kurz ein, bekam jedoch trotzdem das meiste um sie herum mit. Wann immer Schwester Tessa einen Moment Zeit hatte, sah sie nach ihrer Patientin und unterhielt sich kurz mit Nico. Als ein älterer Mann mit der Rettung in die Notaufnahme gebracht wurde, musste Tessa wieder ihrer Arbeit nachgehen. Die Tür zum Behandlungsraum nebenan war nicht ganz zu und so konnte Lana gut hören, was gesprochen wurde. So erfuhr sie, dass der alte Mann dringend ein MRT brauchte, aber dafür ins nächst größere Krankenhaus gebracht werden musste. Nachdem das Marienkrankenhaus ein eher kleines Spital war, wurde am Wochenende und in der Nacht die Röntgenabteilung nicht besetzt. Als der Patient vom Rettungsdienst abgeholt worden war, kümmerte sich Tessa wieder um Lana. „Geht’s dir schon besser?“. „Naja, das Kopfweh ist schon ein bisschen besser, aber mir ist immer noch so schlecht.“, klagte die Patientin. Die Krankenschwester ging wieder nach nebenan, um das weitere Procedere mit dem Doc zu besprechen. Persönlich hatte Lana während ihres Aufenthaltes in der Notaufnahme keinen Arzt zu Gesicht bekommen. War aber auch nicht nötig, denn Tessa hatte alles unter Kontrolle. „Ich häng‘ dir noch ein Novalgin® an.“, sagte Tessa und bereitete schon die nächste Infusion vor. „Mir ist aber mehr schlecht, als dass ich noch Schmerzen habe.“, protestierte Lana. „Wenn deine Kopfschmerzen kuriert sind, wird auch die die Übelkeit garantiert vergehen.“, erklärte Tessa bestimmt. „Aber darf sie dieses Medikament überhaupt nehmen? Du weißt schon, wegen ihrer Stoffwechselerkrankung.“, mischte sich Nico fürsorglich ein, der ein diesbezügliches Detail von ihrem langen Gespräch mit Lana vorher gerade eingefallen war. „Gute Frage. Ich bin mir nicht ganz sicher, ich kläre das mal schnell mit dem Arzt.“, war Tessas Antwort und schon war sie wieder im Nebenraum verschwunden. Lana funkelte Nico böse an und dachte sich nur „Halt doch bitte die Klappe, ich will die guten Drogen haben“. Sie sprach diesen Gedanken jedoch nicht aus, weil sie ganz genau wusste, dass es ihre Freundin nur gut gemeint hatte.

Kaum hatte sie die Kurzinfusion angeschlossen, bekam Tessa einen Anruf. Herr Schneider würde jeden Moment mit der Rettung hier eintreffen und sollte sofort stationär aufgenommen werden. „Hey Marc, wer ist der Herr Schneider und warum sollen wir ihn aufnehmen?“, rief die Krankenschwester zum Arzt im anderen Behandlungsraum. „Das war der alte Mann, den ihr für das MRT in die Zentralklinik geschickt habt“, antwortete Lana schneller als der Oberarzt. „Ah, danke.“, gab Tessa verwundert zurück. „Ich habe geglaubt, sie döst die ganze Zeit.“, flüsterte sie Nico zu. „Ich kann euch hören!“, meldete sich Lana zu Wort. „Na offensichtlich geht’s dir jetzt endlich besser.“, stellte Tessa zufrieden fest. Lana versuchte sich auf der Liege aufzusetzen, musste sich jedoch gleich wieder hinlegen, weil ihr plötzlich schwindelig geworden war. „Bleib liegen. Ich messe dir schnell den Blutdruck.“, kündigte Tessa an und schon im nächsten Augenblick hatte die Patientin die Manschette um ihren linken Oberarm liegen. Für ihren Geschmack pumpte das Gerät viel zu stark auf. Eine manuelle Messung war da wesentlich angenehmer. „129/89, das ist okay“, kommentierte Tessa das Messergebnis. „Ja, ich weiß“, gab Lana zurück. Die beiden Freundinnen tauschten einen vielsagenden Blick und mussten beide lächeln.
„Tessa, befrei‘ mich mal bitte von dem Schlauch hier. Nach den vielen Infusionen muss ich dringend mal aufs WC.“ Auf wackeligen Beinen schleppte sich Lana zur Toilette und wieder zurück. „Ich würde jetzt gern zu Nico nachhause fahren und schlafen.“, meinte Lana erschöpft. „Gut, ich klär das mit dem Doc.“, antwortete Tessa und ging nach nebenan. Einen Moment später kam sie wieder zurück. „Geht klar, aber Nico fährt“ sagte Tessa streng und war schon dabei, den venösen Zugang in Lanas Arm zu entfernen. Die zwei Freundinnen verabschiedeten sich noch von Tessa und dankten ihr für die Hilfe. Anschließend machten sie sich auf den Heimweg.

Zuhause angekommen ließen sie sich erschöpft ins Bett fallen. „Was für ein Abend“, meinte Nico und schlüpfte unter ihre Decke. Lana nickte zustimmend. „Aber immerhin können wir behaupten, dass wir fast die ganze Nacht durchgemacht haben“, warf Lana ein. „Stimmt“, bestätigte Nico woraufhin die beiden Frauen unmittelbar einschliefen.


Ende

On the ninth day of Christmas

…my true love gave to me…

Nach der Spritze, dem Thermometer im Po, einem Einlauf, einem Zäpfchen, fünf Schlägen mit einem Mistelzweig, einem harten Quickie, dem Überraschungsbesuch von Sr. Tessa und Dominiks Verrat war Lanas Behandlung noch immer nicht vorbei.

Sr. Tessa hatte die Infusion in der Zwischenzeit schon fertig hergerichtet, als Lana sie fragte: „was genau ist da alles drinnen?“. „Das ist mein Äquivalent einer speziellen Vitamininfusion, im englischen Sprachraum auch bekannt als „banana bag“. Die wird dich wieder ordentlich auf die Beine bringen“ erklärte Tessa und zwinkerte dabei ihrer Freundin aufmunternd zu. Lana hatte sich zwischenzeitlich ein frisches Nachthemd angezogen und sich wieder nieder gelegt. Dominik saß in der Mitte vom Bett, um Lana beistehen zu können und um Tessa genug Platz zum Arbeiten zu lassen. Außerdem konnte er sie so besser festhalten, falls sie sich zu wehren begann. Und das würde sie sicher tun.

Angespannt lag Lana auf dem Rücken, den linken Arm bereits frei gelegt und ausgestreckt. Schon jetzt krallte sie ihre rechte Hand in Dominiks Unterarm. Sie wollte es sich gerade anders überlegen, als Tessa mit einem nassen, kalten Tupfer über Lanas Ellenbeuge wischte. Blitzschnell reagierte Dominik und drückte Lanas Arm fest auf die Matratze. Er war kräftig genug, auch ihren Oberkörper auf der Matratze fixiert zu halten. Einzig ihre hübschen Beine strampelten noch wild herum. „Lana wenn du nicht still hältst, könnte es sein, dass ich daneben steche und wir die ganze Prozedur wiederholen müssen.“, warnte die Krankenschwester ihre störrische Patientin. „Das willst du doch sicher nicht“. Lana schüttelte stumm ihren Kopf. „Und wenn du jetzt stattdessen zu schreien beginnst, muss ich dich leider knebeln“, vervollständigte Tessa ihr Warnung, untermalt mit einem unschuldigen Lächeln. Doch Lana traute es Tessa absolut zu, dass sie von ihr bei Bedarf auf diese Art zum Schweigen gezwungen werden würde. Langsam wurde ihr auch wieder ein bisschen übel und deswegen wollte sie es auf keinen Fall riskieren, irgendetwas in den Mund gestopft zu bekommen.

Während Lana weiterhin von ihrem starken Mann festgehalten wurde und mit ihren Krallen seine Haut zerkratzen, spannte Sr. Tessa gekonnt die Haut über einer geeigneten Vene und setzte zum Stich an. Lana versuchte noch ein letztes Mal wegzuzucken, doch mit vereinten Kräften konnte sie von den beiden anderen überwältigt werden. In einem Zug hatte die erfahrene Krankenschwester die Venenverweilkanüle gelegt und fixiert. Als nächstes schloss sie die Infusion an den Zugang an. Obwohl Lana noch immer die Augen fest geschlossen hielt und die Zähne zusammen biss, ließ ihre Anspannung langsam nach. Die Vitamininfusion begann ihre Reise durch Lanas Venen, als diese plötzlich merkte, dass sie dringend zur Toilette gehen musste.

On the eighth day of Christmas

…my true love gave to me…

Nach der Spritze, dem Thermometer im Po, einem Einlauf, einem Zäpfchen, fünf Schlägen mit einem Mistelzweig, einem harten Quickie und dem Überraschungsbesuch von Sr. Tessa wusste Lana nicht, was das alles auf sich hatte. Warum war Tessa hier? Sie konnte sich noch immer keinen Reim darauf machen. „Es ist wohl besser, wenn ich es ihr erkläre“, begann Dominik. „Heute Morgen hab ich mir ziemliche Sorgen um dich gemacht und deswegen Tessa angerufen. Schließlich arbeitet sie in der Notaufnahme und kennt sich sehr gut aus“, fuhr er fort. Lana hörte zunächst nur schweigend zu. „Nachdem so ein Infekt meist gegen Abend schlimmer wird, dachte ich, Tessa könnte uns noch geeignetere Medikamenten mitbringen als nur eine MCP-Spritze.“, erklärte er weiter. „Aber jetzt geht es mir wieder gut, ich brauche keine sonstigen Medikamente“, versuchte Lana ihren Mann zu überzeugen. „Das sagst du jetzt, Liebes. Aber du weißt doch genauso gut wie ich, dass Dominik leider Recht hat. Und schließlich bekommt ihr heute noch Besuch.“, mischte sich Tessa in das Gespräch ein.

„Na gut, und was hast du mir mitgebracht?“, fragte Lana mit einer Spur Resignation in der Stimme.

Jetzt wurde es schwierig. Wie sollte Tessa ihrer Freundin klar machen, dass sie alles für eine Vitamininfusion für sie dabei hatte, wo Lana doch Angst vor Spritzen und Nadeln hatte?

„Du brauchst dringend mehr Flüssigkeit. Vitamine und Elektrolyte würden dir auch sehr gut tun“, hob die erfahrene Krankenschwester aus der Notaufnahme an. Lana wusste sofort, was Tessa ihr damit vorschlagen wollte. „Auf gar keinen Fall! Das kommt überhaupt nicht in Frage!“, schrie sie die beiden an. Die ersten wütenden Tränen glitzerten in ihren blauen Augen. Sie fühlte sich von Dominik hintergangen. Selbst seine Fürsorge war keine Entschuldigung für seinen Verrat. Entschlossen blinzelte sie ihre Tränen weg und schlug den beiden folgendes vor: „Von mir aus trinke ich ein bis zwei Beutel Kali-O, wenn euch das glücklich macht. Aber eine Infusion lasse ich mir von euch ganz sicher nicht geben!“. Nun war es wieder Dominik, der versuchte sein Frau umzustimmen. Nach langem Hin und Her wehrte sich Lana nicht mehr so offensichtlich gegen eine Infusion. „Ich bleibe die ganze Zeit bei dir und du darfst meine Hand drücken, so fest du nur kannst“; versuchte Dominik seine ängstliche Gattin zu überzeugen, was Lana unwillkürlich ein kleines Lächeln entlockte. „Ha! Du hast geschmunzelt, also bist du einverstanden!“, rief Dominik und wollte seine Frau damit ein wenig aufziehen. Sie dachte noch einmal über das Für und Wider nach. Es würde heute noch ein langer Tag werden und sie hatte noch viel zu tun. Tessa würde das sicher gut machen und sie hatte ja auch noch Dominik, der ihr beistehen konnte.

„Also schön, ihr habt gewonnen.“, willigte Lana schließlich ein.

David braucht eine Spritze II

Hier geht es zum ersten Teil „David braucht eine Spritze“…

Als Lana und David wieder auf die Terrasse kamen, hatten sich die anderen schon zum Schwimmen umgezogen. „Da seid ihr ja endlich wieder“ stellte Andi erfreut fest. „Kommt, lasst uns jetzt alle in den Pool springen!“ schlug er weiter vor. „Oh ja, super Idee!“ antwortete David begeistert. Missbilligend schüttelte Lana den Kopf. „Du solltest jetzt nicht unbedingt Sport machen“ ermahnte sie David während sie sich langsam von ihrem Kleid befreite. Darunter kam ihr schwarzer Bikini mit buntem Schmetterlingsprint zum Vorschein. Enttäuscht blieb David alleine auf der Terrasse zurück. Immerhin hatte Lilly ihm noch ein extra Stück Kirschkuchen aufeghoben. Genüsslich nahm er den ersten Bissen als er hörte, wie einer nach dem anderen von seinen Freunden in den Pool sprang. Wehmütig sah er rüber zum Schwimmbecken in dem alle ausgelassen plantschten und lachten. Vielleicht übertrieb Lana mal wieder mit ihrer übergenauen Art. Eine Runde im kühlen Nass würde ihm schon nicht schaden. Aber zuerst wollte er den saftig fruchtigen Kuchen aufessen. Den hatte er sich schließlich nach der Impfung auch verdient.In Gedanken bereits im Wasser bei seinen Freunden, führte David die Gabel an seinen Mund und merkte nicht, dass auf dem Bissen eine Biene saß. Er schob sich den Kirschkuchen in den Mund. Erschrocken spuckte er ihn sofort wieder aus, nachdem ihn die Biene in die Zunge gestochen hatte. Sofort schwoll seine Zunge auf die dreifache Größe an und ein brennender Schmerz breitete sich in seinem gesamten Mund aus. Panik stieg in ihm hoch. David war allergisch auf Bienengift und hatte vor drei Jahren einen anaphylaktischen Schock erlitten. Seitdem hatter er immer einen EpiPen bei sich. Das Atmen fiel ihm zunehmend schwerer und er hatte das Gefühl, ihm würde etwas die Kehle zudrücken. Er sprang vom Sessel auf und rang nach Luft. Dabei riss er beide Arme in die Höhe um die Freunde auf sich aufmerksam zu machen. Andi und Lilly winkten ihm zurück. Doch Lana erkannte sofort, dass etwas nicht stimmte. Davids panischer Gesichtsaudruck und seine weit aufgerissenen Augen lösten Alarm bei ihr aus.

Sie stemmte sich auf den Beckenrand, kletterte aus dem Pool und lief über den Rasen. Sie lief so schnell sie konnte. Dabei wehte ihr langes Haar hinter ihr her und ihre Brüste wippten auf und ab. Ihre langen schlanken Beine trugen sie mit großen Schritten über die grüne Wiese. Athletisch schwangen ihre Arme eng am Körper anliegend mit. In einem roten Badeanzug hätte man sich Lana genauso gut laufend am Strand von Malibu vorstellen können.

Davids Herz hämmerte gegen seine Brust als Lana zu ihm kam. „David, was ist passiert?“ fragte sie ihn. Er konnte ihr nicht mehr antworten und deutete auf den Teller, bevor er erschöpft auf dem Boden zusammen brach. Lanas Blick fiel auf die tote Biene zwischen den Kuchenkrümeln. Sie erkannte die Situation sofort und wusste was zu tun war. Sie rief Lilly um Hilfe. David war nicht mehr ansprechbar. Mit Mittel- und Zeigefinger tastete sie seinen rasenden, aber regelmäßigen Puls an der Halsschlagader. Sein Brustkorb hob und senkte sich ebenfalls sehr schnell. Zügig brachte sie David in die stabile Seitenlage. Da waren Lilly und die anderen auch schon auf der Terrasse. Starr vor Schreck blieben sie zunächst wie angewurzelt stehen. „Lilly! Schnell, wo ist sein EpiPen?“ schrie Lana ihre Freundin an. Als ob sie erst aus ihrer Erstarrung erwachen musste, zögerte Lilly einen Moment bevor sie anfing, das lebenswichitge Medikament ihres Verlobten in seinem Rucksack zu suchen. „Dominik, lauf zum Auto und hol’ meine Notfalltasche“ kommandierte Lana. „Andi, du musst Atmung und Puls überwachen!, Setzt dich auf den Boden neben ihn“ ordnete die Krankenschwester ihrem Freund an. Andi hatte seinen Zivildienst als Sanitäter beim Roten Kreuz geleistet und war somit der Kompetenteste aus der Runde, um Davids Vitalparameter weiter zu überwachen.

Lilly gab Lana den EpiPen und war dankbar, dass sie ihm nicht selbst die Adrenalininjektion verpassen musste. Lana kniete sich neben ihren Patienten und entnahm den EpiPen aus seiner Plastikhülle. Sie entfernte die blaue Schutzkappe und hielt den Pen in ihrer linken Faust fest umschlossen. Ohne ihm die Hose ein Stück runter zu ziehen, setzte sie die Fertigspritze an Davids Oberschenkelaußenseite an und drückte den Pen fest gegen seinen Muskel. Eine lange dicke Nadel bohrte sich zuerst durch den festen Jeansstoff um sich den Weg in Davids Muskel zu bahnen. Für zehn Sekunden musste Lana den Pen in dieser Position fixieren, damit die gesamte Menge Adrenalin appliziert werden konnte. Inzwischen war Lanas Ehemann Dominik mit ihrer Notfalltasche zurück.

Da sie schon öfter in medizinische Notsituationen geraten war, hatte sie sich eine kleine Notfallausrüstung zusammengestellt, die sie regelmäßig mit Medikamenten und ähnlichem aus dem Krankenhaus ergänzte. Zum Glück hatte sie diese Tasche immer im Auto mit dabei. „Andi, miss mal den Blutdruck, leg den Pulsoxy an und bereite alles für einen Zugang vor“. Unmittelbar kam der ehemalige Sanitäter Lanas Aufforderung nach und teilte ihr die Werte mit: “90/60 Druck, tachykard bei 100, Sättigung 92“. Lana pumpte die Blutdruckmanschette, die noch immer um Davids Oberarm gelegt war, erneut auf um seine Venen zu stauen. Andi bereitete derweil 500ml Ringerlösung zur intravenösen Verabreichung vor. In der Ellenbeuge fand sie ein geeiegtes Blutgefäß und desinfizierte rasch die darüber liegende, blasse Haut. Mit einer 1,5mm dicken Nadel bohrte sie in seinen Arm und legte die Venenverweilkanüle. Sie fixierte den Katheter zunächst notdürftig mit zwei Klebesteifen und entfernte die Nadel. Gleich darauf schloss sie die Infusion an den liegenden Zugang und ließ die Flüssigkeit schnell tropfen.

Lilly wurde das alles zu viel. Heulend ließ sie sich auf einen Stuhl nieder sinken. Betty kümmerte sich sofort um sie. Sie reichte ihr ein Glas Wasser und bemühte sich, ihre Freundin so gut wie möglich zu trösten. 

Lana sah kurz ihre Tasche durch. Auf der Stelle hatte sie gefunden, wonach sie gesucht hatte: eine Ampulle Solu-Dacortin 750mg. Sie musste noch schleunigst das Trockenpulver entsprechend auflösen, bevor sie das Medikament applizieren konnte. Ein Dreiwegehahn am Venezugang wäre jetzt gut gewesen. Zum Glück konnte sie aber auch einfach den grünen Stöpsel öffnen und die Kanüle mit dem darin enthaltenen Gluccocorticoid drauf stecken. Die Ringerlösung hatte sie derweil gestoppt und den Infusionsschlauch abgeknickt, damit die Lösung direkt in dei Vene injeziert wurde.

Langsam kam David wieder zu sich. Er öffnete seine Augen und blickte ratlos um sich. Er versuchte zu sprechen, brachte jedoch nur unverständliche Worte hervor. Seine Zunge war immer noch angeschwollen. Lilly kam zu ihm gestürzt und fiel im kurz um den Hals. Unter Tränen erzählte sie ihm was passiert war. Schockiert sah er Lana an. Daraufhin erklärte sie ihm, was sie bis jetzt mit ihm gemacht hatte und zeigte ihm seinen EpiPen. Er deutete auf ein Glas Wasser. Lana erkärte ihm, dass er mit dem Trinken noch etwas warten sollte, bis er sich deutlich fitter fühlte. Seine Haut war wieder rosig und er sah wesentlich besser aus als voher. Offenbar hatte Lanas Therapie nicht nur ein bisschen geholfen, sondern vielleicht sogar sein Leben gerettet. Dominik und Andi halfen ihrem Freund, sich auf eine Sonnenliege zu legen. Lilly brachte ihm ein paar Eiswürfeln zum Lutschen. Gierig machte sich David über die Eiswürfeln her. Sie linderten nicht nur die Schmerzen des Insektenstiches, sondern verminderten auch die dadurch entstandene Schwellung. Inzwischen checkte Lana nochmals seine Vitalparameter, die nun wieder normal waren. Nachdem David nun wieder ganz wach war, wollte sie mit ihm und Lilly den weiteren Ablauf besprechen. Lana hielt es für sinnvoll, dass David noch ins Krankenhaus fahren sollte. Lilly stimmte ihr zu. Wehemment schüttelte David seine Kopf, er wollte unter keinen Umständen in irgendeine Notaufnahme gebracht und dort weiter mit Nadeln maltretiert werden. Für heute waren es schon genug Spritzen gewesen. Seine Zunge war zwar noch immer angeschwollen aber er konnte seinen Freunden sagen, dass er lieber hier bleiben wollte. Er schlug vor, dass einfach alle heute bei Andi und Betty übernachten könnten. So wäre Lana zur Stelle, wenn es sein musste. Nun war es Lana, die energisch ihren Kopf schüttelte. Das war keine gute Idee. Daraufhin verschwand sie in die Küche, um ungestört telefonieren zu können. Als sie zurück kam, wirkte sie müde und erschöpft. Sie massierte sich ihre pochenden Schläfen. Die Ereignisse des heutigen Tages waren nicht spurlos an ihr vorüber gegangen. „Ich hab’ bei mir Krankenhaus angerufen und kurz mit Dr. Zeiler gesprochen. Er ist auch der Meinung, dass David eine Nacht zur Beobachtung stationär verbringen sollte.“ sagte Lana. Noch bevor David dem etwas entgegen bringen konnte, fuhr sie fort: „du kriegst sogar ein Einzelzimmer und kannst in Ruhe Fussball schauen, ohne unser Gemecker.“ Um ihn noch endgültig zu überzeugen, beugte sie sich dicht zu ihm heran und flüsterte ihm ins Ohr: „außerdem hat heute Schwester Heidi Nachtidienst. Sie trägt immer diese kurzen Kleidchen, über die sich die Oberschwester stets aufregt und ist besonders lieb zu so Angsthasen wie du einer bist.“ Daraufhin huschte ein verträumtes Lächeln über seine Lippen. Er kannte die fesche Schwester Heidi von Lanas letzter Geburtstagsfeier. Da war er zwar mit Lilly schon zusammen, aber schauen war erlaubt. Mit einem Nicken gab David sein Einverständnis. „Du wirst heute sicher noch eine Spritze brauchen.“ unterbrach Lana seinen beginnenden Tagtraum.

Hier geht es zur Fortsetzung David braucht eine Spritze III.

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Schwester Nadja II

Hier geht’s zum ersten Teil…

Schwester Martina hatte ihre Arbeitskollegin mit dem Rollstuhl ins Zimmer gefahren. Mittlerweile war es früher Abend und draußen war es bereits dunkel. Nadja stand auf und legte sich in das freie Bett neben dem Fenster. Da würde morgen früh hoffentlich die Sonne zu ihr herein scheinen und ihr ein wenig tröstende Wärme spenden. „So Nadja, fangen wir gleich mal mit den Vitalparametern an.“ kommandierte die erfahrene Diplomkrankenschwester. Vorher brachte sie noch das Patientenidendifikationsband an Nadjas zierlichem Handgelenk an. „Dreh’ dich mal auf die Seite, dann beginnen wir mit der Temperaturkontrolle.“ schlug Martina bestimmt vor. Nadja, die das nicht einsehen wollte, meinte daraufhin: „ wir messen doch sonst auch immer mit dem Ohrthermometer, also warum sollten wir das jetzt auf einmal anders machen.“„Ja, das weißt du ja noch gar nicht. Dr. Havass wird mit Anfang Mai unser leitender Stationsarzt und möchte einige Änderungen vornehmen. Die rektale Temperaturmessung ist jetzt wieder Standard.“ erklärte Martina trocken. Nadja dachte, einen süffisanten Unterton in der Stimme ihrer Kollegin gehört zu haben. Widerwillig drehte sie sich dennoch zur Seite und schob ihre Hose und den Slip ein kleines Stück hinunter. Schwester Martina nahm ein digitales Thermometer aus ihrer Brusttasche heraus. Es steckte bereits in einer Einmalhülle. Rücksichtslos verzichtete Martina auf den Tupfer Vaseline. Mit einer Hand spreizte sie Nadjas Pobacken auseinander und mit der anderen bohrte sie den Fiebermesser einige Zentimeter tief in den Anus ihrer Arbeitskollegin. Nadja empfand die Prozedur als äußerst unangenehm und musste sich bemühen, sich nicht zu verkrampfen. Auch diesmal kletterte die Temperatur schnell nach oben. Das leise Piepsen kündigte bereits das Ende der Messung an. Von der digitalen Anzeige konnte die strenge Krankenschwester einen Wert von 38.5°C ablesen. Gewissenhaft trug sie diesen in der Fieberkurve ein. Nadja zog sich wieder vollständig an. Daraufhin kontrollierte Martina noch Puls und Blutdruck ihrer Patientin und notierte auch diese Werte in Nadjas Kurve. „Ich schick’ dann mal Dr. Fink zu dir, der wird sich um alles Weitere kümmern“ kündigte Martina mit einem zuckersüßen Lächeln im Gesicht an und verließ das Krankenzimmer.

Es dauerte nicht lange, bis es an der Tür klopfte. Unsicher trat Dr. Fink herein und wollte sich gerade bei Schwester Nadja vorstellen. „Michael! Wir kennen uns doch! Ich arbeite hier auf der Station, nur bin ich schon länger in vorzeitigem Mutterschutz.“ begrüßte sie ihn leicht gereizt. „Ach so, ja. Natürlich!“ stammelte Dr. Fink vor sich hin. Mit beiden behandschuhten Händen hielt er eine weiße Plastiktasse fest umschlossen. „Ähm, also. Ich werde dann jetzt Blut abnehmen.“ kündigte der junge Arzt wenig überzeugend sein Vorhaben an. Nadja wollte ihn nicht weiter verunsichern und nickte ihm zu. Er packte einen rosafarbenen Venflon und einen Alkoholtupfer zum Desinfizieren der Punktionsstelle aus. Unaufgefordert streckte Nadja ihren rechten Arm aus und ballte ihre Hand zu einer Faust. Dr. Fink setzte sich zu ihr ans Bett und legte den Stauschlauch an. Geistesgegenwärtig schaltete die Patientin das Licht über ihrem Bett ein. Dankbar lächelte Dr. Fink sie an. Er wischte einige Male über Nadjas Ellenbeuge und suchte verzweifelt nach einer geeigneten Vene. Schließlich fand er auch eine. Mit ruhiger Hand setzte er zielbewusst die Nadel an. Gleichzeitig spannte er mit der anderen Hand die Haut ein wenig, um mit der Kanüle leichter eindringen zu können. Überraschend kompetent punktierte er die Vene und schob den Veneverweilkatheter bis zum Anschlag vor. Schnell entfernte er die Nadel aus der Kanüle und setzte einen grünen Adapter an deren Ende. So konnte er das Blut direkt in die Röhrchen fürs Labor abnehmen. Als er damit fertig war, fixierte er den venösen Zugang. Neben Nadjas Bett stand schon der Infusomat bereit, der das wehenhemmende Medikament langsam, jedoch kontinuierlich in sie hinein pumpen würde. Doch bevor der Arzt sie an den Dauertropf anschließen konnte, wollte sie sich noch schnell ein Krankenhaushemd überziehen. Das war bequemer und es war einfacher anzuziehen, ohne Infusionschlauch im Arm. Sie ging zum Kasten und holte ein hässliches, gelbgemustertes Nachthemd heraus. Rasch verschwand sie im Badezimmer, um sich umzuziehen. Enttäuscht stellte sie fest, dass sie ein rückenfreies OP-Hemd trug. Wahrscheinlich gab es schon wieder Lieferschwierigkeiten mit der Wäscherei. Immerhin hatte sie ihre hübsche Unterwäsche anbehalten. Sie legte sich wieder ins Bett und wurde an die Infusion angeschlossen.

Als nächstes stand ihr die schmerzhafte Spritze für die Lungenreifung ihres Kindes bevor. Das nötige Medikament wurde direkt in den Muskel injiziert und tat höllisch weh. Normalerweise stand Schwester Nadja auf der richtigen Seite der Nadel, aber heute war das anders. Panik überkam sie. Sie hatte furchtbare Angst vor i.m.-Spritzen. Sie wollte sich zwar zusammenreißen, aber ihr wurde heiß und ihre Handflächen waren feucht. Dr. Fink hatte die Spritze bereits in die Hand genommen, in der anderen hielt er einen neuen Alkoholtupfer. „Also, wenn Sie sich dann bitte frei machen würden, damit ich Ihnen das Dexabene spritzen kann.“ forderte er freundlich, jedoch unsicher die hübsche Patientin auf. Zögernd schob Nadja das Nachthemd ein wenig beiseite. Ein schlichtes schwarzes Höschen mit einem schmalen Spitzenband kam zum Vorschein. Dr. Fink setzte sich wieder zu Schwester Nadja ans Bett. Beinahe zärtlich desinfizierte der noch unerfahrene Arzt Nadjas Po. Der nasse Tupfer verursachte bei der nervösen Schwester eine ziemlich starke Gänsehaut. Als der Mediziner die Schutzkappe der Nadel entfernte, hielt sie es nicht mehr länger aus. Der blanke Horror stand ihr ins Gesicht geschrieben. „Nein! Bitte noch nicht! Ich kann das jetzt nicht!“ schrie sie panisch und verkroch sich unter der Bettdecke. Ihr kindisches Verhalten war ihr furchtbar peinlich, aber sie war dagegen machtlos. Leicht irritiert legte Dr. Fink die Spritze wieder weg und begann beruhigend auf Nadja einzureden. „Schwester Nadja, Sie wissen doch, dass Sie die Spritze dringend für Ihr Baby brauchen.“ versuchte der Turnusarzt die werdende Mutter zu überzeugen. Ängstlich sah sie ihn mit ihren Rehaugen an. Sie konnte sich ihr Verhalten ja selbst nicht erklären. Aber sie hatte sich schon immer vor Spritzen gefürchtet. Natürlich wusste sie auch, wie wichtig die Injektion für ihr ungeborenes Kind war. Jedoch kostete es sie sehr viel Überwindung. Dr. Fink hatte ein sehr freundliches Gesicht und zum ersten Mal fielen Nadja die Lachfalten rund um seine Augen auf. Geduldig wartete er, bis sie sich ein wenig gefangen hatte. Inzwischen atmete sie ruhig und gleichmäßig, um sich besser entspannen zu können. „Darf ich vielleicht Ihre freie Hand ein bisschen drücken, während Sie mir die Spritze geben?“fragte die sonst so selbstsichere Frau mit einer beinahe kindlichen Stimme. Verständnisvoll lächelte Dr. Fink Nadja an und nickte ihr aufmunternd zu. Erneut griff er nach der Spritze. Als die Nadel näher kam, wich die nun eher schüchterne Patientin noch ein mal ein Stück aus, blieb dann doch ruhig liegen und griff nach der warmen Hand des Arztes. Er ließ es einfach zu. Während sie die Augen fest geschlossen hatte, bohrte er vorsichtig mit der Nadel in ihren Muskel und applizierte das Medikament. „So, schon vorbei!“ verkündete Dr. Fink. Überrascht öffnete Nadja ihre braunen Augen und schaute den gut aussehenden Arzt erleichtert an. „Danke!“ hauchte sich kaum hörbar, als ihr wieder eine glitzernde Träne über ihre Wange rollte. Mit seinem Daumen wischte Dr. Fink sie zärtlich weg und reichte ihr ein Taschentuch. Nadja fühlte sich ein wenig einsam und sehnte sich vergeblichst nach den liebevollen Berührungen ihres Mannes. Dr. Fink hatte seine Sache gut gemacht, nicht nur als er ihr die Spritze verabreicht hatte. Stumm blieb er noch eine Weile bei ihr sitzen und hielt ihre Hand, bevor er sich dezent aus ihrem Krankezimmer zurückzog.

Hier geht’s zum dritten Teil…

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