Überraschung beim HNO-Arzt: Teil II

Hier geht es zum ersten Teil der Geschichte…

Die nächsten drei Wochen vergingen wie im Flug. Der Ablauf war mittlerweile gut eingespielt. Hanna zog sich hübsch an und achtete auf zusammenpassende Unterwäsche. Die Infusionen ließ sie sich beinahe anstandslos verabreichen, nur bei den Vitaminspritzen zickte sie ein wenig herum, was dem stets so charmanten Miguel immer wieder ein verschmitztes Lächeln entlockte. Während der gesamten Behandlung flirteten sie miteinander, dass die Funken nur so sprühten. Zum Abschied gab es dann immer ein Küsschen auf jede Wange, wobei Miguel der zweiten Wange immer einen Hauch mehr Zärtlickeit schenkte und sich einen Augenblck länger an sie schmiegte.

Der letzte Behandlungstag war viel zu schnell gekommen. Hanna war spät dran und musste sich hetzen, um rechtzeitig in Miguels Ordination anzukommen. Unten auf der Strasse standen ein Rettungswagen (RTW) und ein Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) genau vor seinem Hauseingang. Halb in Alarmbereitschaaft nahm Hanna das Szenario im Vorbeifahren war, als zwei Sanitäter eine Trage ausluden und im dunklen Hauseingang verschwanden. Ums Eck hatte sie einen Parkplatz gefunden und hechtete die Stufen hinauf zur Facharztpraxis. Oben angekommen, stellte sie erleichtert fest, dass der Notfall wohl nicht in der HNO-Praxis stattgefunden hatte. Atemlos betätigte sie den Summer an der Tür und trat ein. Sie war überrascht, ein menschleeres Wartezimmer vorzufinden. Nicht einmal Miguels Sprechstundenhilfe schien heute da zu sein. Er trat aus einem Behandlungsraum hinaus und wollte sie gerade begrüßen, als ihm auffiel wie abgehetzt und vor allem kurzatmig sie an der Wand lehnte. „Alles ok mit dir?“, fragte er besorgt. „Ja, geht schon. Ich bin nur aus irgendeinem Grund wie eine Wahnsinnige die Stiegen rauf gesprintet, weil ich dachte, du hättest einen medizinischen Notfall hier oben.“ Ihr Herz hämmerte noch immer wie wild im Inneren ihres Brustkorbs. Miguel sah sie perplex an und wusste gar nicht, was sie meinte. „Unten vor deiner Haustür“, sie schnappte nach Luft, „stehen sowohl ein RTW als auch NEF“, berichtet sie und merkte, dass sich ihre Atmung nur langsam normalisierte. „Aso. Im Stock über mir hat ein Internist seine Ordination. Ich schätze mal, dass das der Einsatzort ist. Komm doch erst mal rein und setz dich auf die Liege. Du siehst irgendwie erledigt aus.“ Hanna schenkte ihm ein müdes Lächeln, bevor sie Platz nahm. „Ich bin einfach so gestresst im Moment“, gab sie zu. „Der neue Job und alles drum herum, ich hab das Gefühl, als würde ich das nicht mehr lange durchhalten.“, gestand sie ihm. Er nahm sie in den Arm und drückte sie kurz an sich. Draußen am Gang wurde es plötzlich laut, als sich die Sanitäter abmühten den übergewichtigen Patienten auf der Trage runter zu schleppen. „Ja, ja. Das waren noch Zeiten. Kannst du dich erinnern, als wir beide noch im Rettungsdienst aktiv waren?“ fragte sie, als ob sie plötzlich von neuer Energie durchflutet werden würde. „Ja, klar“, antwortete er prompt. „Ich hab dir übrigens immer noch nicht verziehen, dass du damals den Nachtdienst nicht mit mir gefahren bist.“, sagte er und sah ihr dabei tief in die Augen. „Was wurde damals eigentlich aus dir und diesem Notfallsanitäter, mit dem du die Nacht vebracht hast?, fragte er weiter nach und schien sie mit seinen Augen bereits auszuziehen. „Also, erstens haben wir nicht die Nacht zusammen verbracht, sondern hatten einen wirklich anstrengenden Dienst.“ Wir waren fast die ganze Nacht durchgehend unterwegs. „Und zweitens?“, fragte er schmunzelnd nach. „Kein zweitens. Wir waren für ungefähr ein Jahr ein Paar und danach haben wir uns wieder getrennt“, erklärte sie sachlich. „Und jetzt? Hast du keinen Rettungssanitäter mehr an deiner Seite?“, flüsterte er ihr schon fast ins Ohr und war ihr so nah wie noch nie. „Nein“, stotterte sie. „Jetzt habe ich keinen Sanitäter mehr an meiner Seite“, antwortete sie kaum hörbar. Allein durch seine Nähe beschleunigte sich ihr Puls fühlbar. Unbewusst hielt sie den Atem an. Spätestens jetzt wäre der Zeitpunkt gekommen, ihn nach seinem Ehering zu fragen. Aber Hanna wollte es in diesem Moment gar nicht wissen. Plötzlich spürte sie seinen warmen, weichen Mund und erwiderte seinen zärtlichen Kuss. Mit beiden Händen hielt er ihr Gesicht fest, während seine Zunge ihren Mund erforschte. Sie fühlte sein Verlangen, seine Leidenschaft. Sie wusste einfach, dass er sie wollte. Hier und jetzt. Sie haderte mit ihrem Gewissen, konnte sie tatsächlich mit einem verheirateten Mann schlafen? Doch wie von selbst strichen ihre zierlichen Hände durch sein leicht gewelltes Haar. Sie konnte gar nicht lange darüber nachdenken. Miguel und Hanna hielten einander fest umschlungen und bedeckten sich gegenseitig mit gierigen Küssen. Ihr Gewissen wurde damit nun endgültig zum Schweigen gebracht. Seine Hand wanderte langsam ihren Rücken hinab. Geschickt öffnete er ihren BH durch ihre Bluse bevor er ihren Po zärtlich streichelte. Einen Augenblick lang sahen sie sich tief in die Augen bevor die brennende Lust von ihren beiden Körpern Besitz nahm. In der Hitze des Gefechts rissen sie sich gegenseitig die Kleider vom Leib, die überall auf dem Boden verstreut landeten. Mit seinen kräftigen Händen umfasste er ihren Po und hob sie hoch. Hanna schlang ihre langen Beine um sein Becken und spürte dabei wie sich seine Erektion gegen den Spitzenstoff ihres Tangas presste. Er hingegen fühlte deutlich die feuchte Wärme in ihrem Schritt. Mit einem sanften Ruck setzte er sie auf der Untersuchungsliege ab. Routiniert griff er hinter sich in die oberste Lade eines schmalen Regals und brachte ein Kondom zum Vorschein. Hastig schob er die Boxershort nur weit genug nach unten, um an sein bestes Stück heran zukommen. Mit einer Hand hielt er ihren Nacken fest, während er sie leidenschaftlich küsste. Mit der anderen schob er den Tanga beiseite und drang in sie ein. Beide stöhnten auf, als wäre nun endlich das passiert, was ihnen beiden bestimmt war. Hanna rutschte mit ihrem Becken etwas nach vorne und umklammerte Miguels Körper mit ihren Beinen. Sie hielt sich an seinen Schultern fest und zog ihn noch näher zu sich heran. Er war so tief in ihr, dass sie glaubte, jeden Moment zu zerspringen. Im Rhythmus ihrer beiden Körper schienen sie sich zu vereinigen bis sie in einem gigantischen Feuerwerk der Lust zu explodieren drohten. Hannas Wände zuckten unkontrollierbar und melkten Miguel auf eine Art und Weise, dass er fürchtete, den Boden unter den Füßen zu verlieren. Atemlos und von Endorphinen durchflutet lehnte Miguel sich an Hanna an. Mit seiner rechten Hand liebkoste er ihren Oberschenkel. Dabei fiel ihr sein Ehering erneut ins Auge. Schamesröte stieg ihr ins Gesicht und sie wendete sich von ihm ab. Miguel wusste instinktiv sofort was los war. „Ich werde es dir bald erklären. Es ist kompliziert. Aber bitte, versprich mir, dass wir uns Wiedersehen“, flehte er und küsste das kleine Muttermal über ihrem Knie. Sie brachte nur ein stummes Nicken zustande, bevor sie sich wieder anzog. Genau in diesem Moment klingelte es an der Tür. Auch Miguel war wieder vollständig angezogen. „Ich erwarte noch eine Patientin“ erklärte er ruhig. „Ich ruf‘ dich nachher an, einverstanden?“, fragte er hoffnungsvoll und gab ihr einen innigen Abschiedskuss, den sie erwiderte. Auf dem Weg nach draußen kam ihr eine hübsche, langbeinige Blondine entgegen. Im Vorübergehen schien sie Hanna mit einem wissenden Blick zu mustern. Schlagartig wurde ihr etwas klar: sie war vermutlich nur eine von Vielen.


ENDE

Der Spieleabend III

Hier geht es zu „Der Spieleabend II“…

Emily konnte ihrer Schwester kaum etwas abschlagen Obwohl sie gleich alt waren, fühlte sie sich immer ein bisschen für Sofia verantwortlich. „Du, ich würde so gern duschen gehen und mir die Haare waschen. Ich hab so viel geschwitzt letzte Nacht, ich fühl mich so nicht wohl. Würdest du mir bitte helfen?“ Mit großen Rehaugen sah sie ihre Zwillingsschwester an. Emily überlegte kurz und betrachtete Sofias lange blonde Mähne. Sie mussten schon in einer Stunde beim Arzt sein, das würde knapp werden. Aber wir immer gab Emily nach. „Na gut, aber vorher messen wir noch mal deine Temperatur. Wenn du Fieber hast, musst du aufs Haare waschen verzichten, dann gibt’s nur eine schnelle Dusche“, bestimmte Emily. Sie nahm das Fieberthermometer zur Hand, das noch immer am Nachtkästchen lag. Sofia nahm es entgegen und klemmte es sich unter den Arm. Wohlwissend, dass Dr.Bach nachher sicherlich rektal nachmessen würde, ließ es Emily damit gut sein.

Nach fünf Minuten verlangte Emily das Messinstrument zurück. Ohne einen Blick darauf zu werfen gab Sofia es ihrer Schwester. Da Sofias Temperatur im Moment 37,3°C betrug, war die Haarwäsche genehmigt. Um ihren Kreislauf zu schonen, bat Emily ihre Zwillingschwester, sich einfach in die Badewanne zu setzen. So konnte sie ihr auch leichter bei der Haarwäsche behilflich sein. Nach dem Duschen föhnte sie ihr noch ausgiebig die langen Haare trocken und brachte ihr frische Sachen zum Anziehen aus ihrem Schrank. So frisch geduscht sah Sofia schon viel besser aus. Leider hatte nun Emily selbst keine Zeit mehr, sich zu duschen. Sie steckte ihre ebenfalls langen Haare zu einem lässigen Dutt zusammen, schlüpfte schnell in die Jeans von gestern und zog einen Kapuzenpulli über. Als sie sich im Vorzimmerspiegel betrachtete, gefiel sie sich überhaupt nicht. Sie sah ziemlich müde von aus. Sobald sie zurück war, würde sie ein schönes Schaumbad nehmen.

In der Praxis angekommen, meldete Emily ihre Schwester bei der Sprechstundehilfe an, nachdem Sofia bereits im Wartezimmer Platz genommen hatte. Emily hatte gar keine Zeit mehr gehabt, zuhause aufs WC zu gehen und wollte das schnell nachholen. Währenddessen wurde Sofia immer nervöser. Der Geruch von Desinfektionsmittel stieg ihr in die Nase und ließ sie innerlich erschaudern. Ihre Handflächen waren schon ganz feucht und sie wünschte sich, sie wäre nicht hierher gekommen. Immerhin ging es ihr ja auch schon besser als gestern Abend. Als sie aufgerufen wurde, bekam sie es mit der Panik zu tun. Doch gleichzeitig kam ihr ein rettender Einfall. Sie stand auf und ging ins Untersuchungszimmer. „Meine Schwester Sofia ist noch schnell auf die Toilette gegangen, sie ist bestimmt gleich wieder hier“,begrüßte sie Dr. Bach. „Geht schon in Ordnung, kommen Sie bitte herein. Ich nehme an, Sie begleiten Ihre Schwester?“ Mit einem Nicken setzte sie sich ihm gegenüber. Emily, die gehört hatte, dass ihre Schwester bereits aufgerufen wurde, beeilte sich und kam ins Untersuchungszimmer nach. Schließlich wollte sie ihre Schwester, die furchtbare Angst vor Ärzten hätte, nicht lange mit einem alleine lassen.

Sie setzte sich neben Sofia. „Ihre Schwester hat mir bereits erzählt, dass sie gestern hohes Fieber hatten. Leiden Sie noch unter irgendwelchen anderen Beschwerden?“ Verwirrt sah Emily Dr. Bach an, bis ihr dämmerte, was hier los war. „Nein, nein Herr Doktor, da liegt eine Verwechslung vor. Mir geht es gut, meine Schwester ist krank“, versuchte sie so ruhig wie möglich klar zu stellen, obwohl sie innerlich bereits kochte. Eingehend betrachtete er sich die beiden Schwestern an. Streng genommen, sah keine der beiden gesund aus. „Genau davor hat mich Ihre Schwester bereits vorgewarnt. Ich verstehe, dass sie Angst vor Ärzten haben, aber ich werde Ihnen alles erklären und möchte Ihnen wirklich nur helfen, bald möglichst wieder gesund zu werden“ antworte er, als würde er mit einem Kleinkind reden. „Sofia, sag ihm sofort die Wahrheit“, fuhr sie ihre Zwillingsschwester an und wurde vor Wut ganz rot ihm Gesicht. „Na, na, ganz ruhig meine Damen“, mischte sich der Allgemeinmediziner ein. Beruhigend legte er seine Hand um Emilys Handgelenk. Ihr Puls war sehr schnell aber regelmäßig. Ihre Haut fühlte sich ein wenig warm an. Emily versuchte sie ich noch einmal zu wehren: „ich bin nicht krank, sondern meine Schwester!“,entfuhr es ihr ein wenig zu schrill. „Hören Sie, Ihr Puls ist ganz schnell, Ihr Gesicht gerötet und Sie scheinen mir sehr aufgeregt. Lassen Sie mich erst mal Ihren Blutdruck messen und dann sehen wir weiter, einverstanden?“ Natürlich war sie überhaupt nicht einverstanden, aber was sollte sie in ihrer Situation sonst tun als nachzugeben? Während er ihr die Blutdruckmanschette anlegte, atmete sie tief ein und aus, um sich ein wenig zu fassen. „Bekommen Sie schlecht Luft?“, fragte Dr. Bach besorgt nach. „Nein!“, zischte sie ihn an und bereute ihren Fauxpas. „150/85, das ist nicht gerade ein normaler Blutdruck. Aber für sich alleine auch noch nicht besorgniserregend. Wir werden das nachher noch ein mal kontrollieren. Ich möchte jetzt erst mal bei ihnen Fieber messen, Ihre Schwester hat Sie sicherlich bereits darüber informiert, dass ich ein Verfechter der rektalen Methode bin?“, fragte er nach. Emily war unfassbar wütend auf ihre Schwester, aber immerhin würden sie alle in 5 Minuten wissen, dass nicht sie die Patientin hier war. Mehr oder weniger freiwillig legte sie sich seitlich auf die Untersuchungsliege und schob ihre Jeans und den Slip ein Stück nach unten. Dr. Bach hattet das Thermometer bereits mit Vaseline versehen um es schön gleitfähig zu machen. Unglücklicherweise hatte er etwas zu viel von der zähen Salbe aufgetragen und so rutschte das Thermometer gleich wieder aus Emilys Po heraus. „Das muss ich wohl besser festhalten“, kommentierte der Arzt dieses kleine Missgeschick und schob das Fieberthermometer resolut zurück an seinen Platz. Sicherheitshalber führte er es auch ein wenig tiefer ein als beim ersten Mal.

Emily ließ das alles wortlos über sich ergehen, da sie ja wusste, dass das ganze Theater gleich vorüber sein und sie dann mit ihrer Schwester ganz schnell die Rollen tauschen würde. Sofia, die zunehmend blasser wurde, lehnte schwach auf dem Sessel. Die warme Dusche, der Weg in die Praxis und diese kleine Scharade nahmen sie ganz schön in Anspruch. Dr. Bach merkte plötzlich, dass es der „echten“ Sofia nicht gut ging. Er wollte nur schnell ihren Puls tasten und ließ für einen Moment das Glasthermometer los. Dieses rutschte aus Emilys After raus und fiel zu Boden. Da war nichts mehr zu machen, das Thermometer war in viele kleine Einzelteile zerbrochen.

Emily sprang von der Liege und zog sich an. Sie machte einen großen Bogen um den Scherbenhaufen. „Schnell, helfen Sie mir Ihre Schwester auf die Liege zu legen“, ordnete Dr. Bach an. Während nun der Arzt bei Sofia den Blutdruck mas, kümmerte sich die Ordinationsassistentin um die Scherben am Boden. „120/80, das ist schon mal beruhigend. Aber sie glüht am ganzen Körper“, stellte er fest. Schon hatte er ein neues Thermometer zur Hand. „Sofia, können Sie sich auf die Seite drehen?“. Doch die Patientin war zu schwach und gab nur ein Stöhnen von sich. Emily eilte dem Arzt zu Hilfe. Als Sofia das kalte Glasthermometer an ihrem After spürte, riss sie erschrocken die Augen auf. „Nein, bitte nicht“, wimmerte sie. Doch Emily hatte diesmal kein Mitleid mit ihrer Zwillingsschwester und versuchte nicht, den Arzt von der Temperaturmessung abzubringen. Sofia schluchzte leise vor sich hin. Emily spürte in diesem Moment eine gewisse Genugtuung. Diesmal hatte Dr. Bach nicht zu viel Gleitcreme erwischt und konnte das Thermometer entspannt los lassen. „Emily, dann lassen Sie uns Ihre Temperatur noch mal kontrollieren, damit ich weiß ob ich es mit zwei Patientinnen oder einer Lügnerin zu tun habe.“

„Ich bin wirklich nicht krank, bitte glauben Sie mir einfach“, versuchte Emily den Arzt umzustimmen. Ein Blick von ihm genügte und ihr war klar, dass daraus nichts werden würde. Nachdem die Liege nun besetzt war, sah sie ihn fragend an. „Wir machen das schnell im Stehen. Lehnen Sie sich einfach gegen meinen Schreibtisch. Die Hose wieder ein Stück runter ziehen und die Beine bitte leicht spreizen.“ So unangenehm ihr das auch war, folgte sie trotzdem seinen Anweisungen. Diesmal nahm er ein Digitalthermometer zur Hand. Er zog ihre festen Pobacken auseinander und führte zügig das Messinstrument ein. Schon nach etwa einer halben Minute ertönte ein Piepton und Dr. Bach entfernte in einem Ruck das Thermometer. „37,1°C, das ist eine normale Körpertemperatur, Sie sind also raus aus dem Schneider“, sagte er. Emily durfte sich wieder anziehen und nahm nun auf dem Sessel Platz. Mittlerweile war es Zeit auch Sofias Temperatur abzulesen. Diesmal zog Dr. Bach das Thermometer ganz langsam in drehenden Bewegungen aus Sofias Po. „39,7°C, da werde ich gleich einen Zugang legen und ihr etwas Fiebersenkendes verabreichen, erklärte der Arzt. Gründlich inspizierte er ihre Arme, um eine geeignete Vene ausmachen zu können, noch bevor er alles herrichtete. Sofias Hände waren eiskalt, wahrscheinlich würde das Fieber noch weiter ansteigen. In den Ellenbeugen konnte er ebenfalls keine gute Vene finden. Da er ihr rasch helfen wollte, entschied er sich für die Gabe eines Paracetamolzäpfchens. Sofia lag noch immer mit heruntergezogener Hose vor ihm. Er zog sich ein ein Paar Latexhandschuhe an und nahm das große Suppositorium aus dem Medikamentenschrank. Da ihr Anus noch gut eingecremt war, musste er das Zäpfchen nicht noch zusätzlich bestreichen, es würde ganz leicht seinen Weg nach innen finden. Mit Daumen und Zeigefinger zog er ihre Pobacken auseinander und setzte mit der anderen Hand das Zäpfchen an ihrer Rosette an. Sofia erwachte wieder aus ihrem leichtem Dämmerschlaf und versuchte sich zu wehren. „Ganz ruhig, Sie müssen nur kurz still halten“, redete er beruhigend auf sie ein. Sein Finger schob das Suppositorium vorsichtig durch den engen Schließmuskel ganz tief in sie hinein. Dabei tastete er auch gleichzeitig ihren Enddarm aus und stellte fest, dass Sofia dringend einen Einlauf benötigte. Hoffentlich würde das Zäpfchen trotzdem zumindest teilweise wirken können. Plötzlich klagte Sofia über starke Bauchschmerzen. Bevor Dr. Bach seine Patientin weiter untersuchen konnte, half Emily ihrer Schwester sich wieder anzuziehen. Nur die Hose ließ sie geöffnet, damit der Doktor den Bauch besser abtasten konnte. Nun untersuchte der Arzt gründlich Sofias Bauch. Am McBurney-Punkt schien sie besonders schmerzempfindlich zu sein. Sie stöhnte laut auf, als Dr. Bach an dieser Stelle herum drückte. „Ich vermute eine akute Appendizits bei Ihrer Schwester. Ich werde noch ein paar Untersuchungen durchführen müssen, bevor ich mehr sagen kann“, erklärte er an Emily gewandt.

„Sie meinen eine Blinddarmentzündung?“, fragte Emily besorgt nach. Dr. Bach nickte und bereitete gleichzeitig alles für die Blutabnahme vor. „Sofia, du musst jetzt ganz tapfer sein, du wirst ganz kurz gepiekst, damit wir wissen, was du genau hast“, erklärte sie ganz ruhig ihrer Schwester. „Nein, nein, bitte nicht!“, flehte Sofia und begann leise vor sich hin zu weinen. Emily strich ihr zärtlich übers Haar. „Wir machen nur einen Fingerstich, so kann ich die wichtigsten Parameter gleicht hier in der Ordination auswerten und wir müssen nicht erst auf das Ergebnis vom Labor warten. Der Arzt fackelte nicht lange, desinfizierte eine Fingerkuppe seiner Patientin und setzte die Einmallanzette an. „Klick“ und schon war der Fingerstich erledigt. „Au, au au!“, jaulte Sofia etwas verspätet auf. Während Dr. Bach mit der Blutprobe ins Nebenzimmer ging, machte sich Emily große Sorgen um ihre Schwester. Sollte sie operiert werden und somit ins Krankenhaus müssen, wäre das der absolute Horror für sie. Sofia schienen dieselben Gedanken durch den Kopf zu gehen, sie war ganz bleich vor Angst. Dr. Bach kam mit den Ergebnissen zurück. „Im Blut sieht man eine deutliche Leukozytose, der CRP-Wert ist allerdings nur leicht erhöht. Ich möchte noch einen Ultraschall durchführen und dann werde ich entscheiden, ob eine Krankenhauseinweisung notwendig ist“, erklärte er. Emily hatte zwar nur die Hälfte verstanden, aber sie wollte noch die Sonographie abwarten. Nachdem Dr.Bach das kalte, glitschige Kontaktgel aufgetragen und eine ausführliche Rundfahrt auf Sofias Bauch durchgeführt hatte, fasste er das Ergebnis seiner Untersuchung zusammen. „Wie ich bereits erklärte, die weißen Blutkörperchen sind erhöht, das spricht auf jeden Fall für ein entzündliches Geschehen im Körper. Der CRP-Wert, ebenfalls ein Entzündungsparameter, ist nur leicht erhöht, was jedoch nicht sehr aussagekräftig ist, da ausgerechnet dieser Wert oft etwas länger braucht, um massiv anzusteigen. Im Ultraschall lässt sich der Appenix, also der Wurmfortsatz, verdickt darstellen. Alles in allem, würde ich sagen, dass eine OP angezeigt ist, jedoch muss das letztendlich ein Chirurg entscheiden. Ich werde also sofort die Einweisung ins Krankenhaus veranlassen. Haben Sie noch irgendwelche Fragen?“ So in etwa 100, dachte sich Emily. „Gibt es denn keine andere Möglichkeit? Sofia hat wirklich große Angst vor Ärzten und ich weiß nicht, wie sie mit einem Krankenhausaufenthalt klar kommen würde.“ Dr. Bach schien kurz zu überlegen. „Eine Alternative würde es da schon geben, aber dafür müssten Sie mir als erstes einen Revers unterschreiben, dass Sie die stationäre Aufnahme ins Krankenhaus ablehnen und die daraus resultierenden gesundheitlichen Risiken selbst tragen.“, erklärte er an Sofia gewandt. „Ja natürlich, alles was Sie wollen“ antwortete sie schwach. „Zweitens, muss sich eine zuverlässige Person rund um die Uhr um die Patientin kümmern“, dabei sah er Emily an. „Selbstverständlch, Herr Doktor. Ich kann mir frei nehmen, beziehungsweise auch von zuhause arbeiten“, lautete ihre Antwort. „Und drittens“, fuhr er fort. „Sofia wird einige hohe Einläufe über sich ergehen lassen müssen, strenge Diät halten und ich werde einmal täglich vorbei kommen und ihr zwei verschiedene hoch dosierte Antibiotika verabreichen. Sollte es zu einer Verschlechterung kommen, muss Sofia umgehend in ein Krankenhaus eingeliefert werden. Das ist eine ziemliche Verantwortung. Können Sie sich das vorstellen?“ Auch wenn Emily noch sauer auf Sofia war, wegen der Show, die sie vorhin abgezogen hatte, wollte sie alles tun, damit es ihr schnell besser ging und um ihr den Krankenhausaufenthalt zu ersparen. „Ich werde alles machen, was Sie von mir verlangen, Herr Doktor“ versprach Emily und meinte es auch so.

On the first day of Christmas

…my true love gave to me…

Lana erwachte aus einem unruhigen Schlaf. Mit nur halb geöffneten Augen blinzelte sie dem grellen Morgenlicht der Sonne entgegen. Sogleich fühlte sie die Übelkeit in ihr aufsteigen und das Rumoren in ihrem Bauch war so laut, dass sie fürchtete, es würde ihren Mann, Dominik, aufwecken. Mühevoll rollte sie sich vom Rücken auf die linke Seite, in der Hoffnung, der Lagewechsel würde ihren Magen milde stimmen. Doch das Gegenteil war der Fall. Es kam, wie es kommen musste: Lana schleppte sich taumelnd zur Toilette, wo sie sich schließlich übergeben musste.

Zurück im Schlafzimmer kippte sie eines der großen Doppelfenster, um für etwas frische Luft zu sorgen. Fröstelnd trippelte sie barfuß zum Bett zurück und verschwand Zähne klappernd unter ihrer noch warmen und kuscheligen Decke. Zitternd lag sie zusammengerollt in ihre Decke eingehüllt. Dominik strich ihr mit der Hand sanft über den Rücken. „Was ist denn los, Schatz?“ fragte er mit mit einem Anflug von Besorgnis in der Stimme. „Ach nichts, mir ist nur ein bisschen schlecht. Vielleicht habe ich gestern einfach ein bisschen zu viel gegessen.“, versuchte Lana ihre Beschwerden abzutun. Schon der Gedanke an die üppige Mahlzeit vom Vorabend ließ ihren Magen wieder rebellieren. Viel zu schnell rappelte sie sich hoch und eilte erneut zum WC.

Geschwächt kam sie ins Schlafzimmer zurück und fand ein leeres Bett vor. Dominik musste wohl im Badezimmer sein. Sie legt sich wieder hin und kauerte sich in der Embryonalstellung unter ihre Decke. Sie hörte Dominik in diversen Schubladen herum kramen. Obwohl es ihr nicht gut ging, konnte sie sich vorstellen, was er im Bad suchte. Aber da würde er lang suchen müssen, denn Lana hatte die ganzen WE-„Spielsachen“, darunter auch die Spritzen, Nadeln und Ampullen, versteckt. Schließlich sollte heute die ganze Familie zum Christtag zu Lana und Dominik nach Hause kommen. Verständlicherweise wollte Lana nicht, dass vielleicht eine neugierige Tante irgendetwas von den Sachen „unabsichtlich“ finden konnte. Nach einer gefühlten Ewigkeit kam Dominik mit einer Nierentasse in der Hand zurück. „Ich werde dir jetzt eine MCP-Spritze geben, ganz ohne Widerrede!“, kündigte Dominik sein Vorhaben an. „Nein wirklich, das ist nicht nötig! Ich bleibe einfach noch ein bisschen liegen und dann wirds mir sicher besser gehen“ versuchte Lana ihren Mann zu überzeugen. „Unsere Gäste kommen in ein paar Stunden und wir haben noch einiges vorzubereiten. Außerdem musst du dich auch zurecht machen, du siehst fürchterlich aus! Also zick nicht rum, und mach deinen Po frei!“, herrschte er seine Gattin an. Sie schlug die Decke ein wenig zurück. Zögerlich griff sie nach dem Saum ihres Nachthemdes. „Darf ich bitten?“, fragte Dom mit einem sarkastischen Unterton und griff selbst nach dem dünnen Stoff, um den Allerwertesten seiner Frau frei zu legen. Er nahm den bereits in Desinfektionsittel getränkten Tupfer und wischte damit ausgiebig über den rechten oberen Quadranten. Er entfernte die Schutzkappe der Nadel und wollte diese gerade an Lanas Fleisch ansetzten. „Bitte nicht! Bitte, tu‘ mir das nicht an“, flehte sie. „Was sein muss, muss sein“ und mit diesen Worten stach er einfach zu und drückte ihr die 2ml Inhalt tief in ihren Muskel.

Die Grippeimpfung

Seit einiger Zeit arbeite ich nebenher in der Ordination von Frau Dr. Aurora Barelli. Sie ist Ärztin für Allgemeinmedizin. Zum Team gehören außer mir noch zwei ältere Arztassistentinnen und Paolo, Auroras Sohn, der neben dem Studium inder Praxis aushilft. Ich bin die einzige Krankenschwester und die Jüngste von allen.

Beim letzten Teamgespräch hat uns Aurora (wir sind hier alle untereinander per Du) gefragt, wer Interesse an der Grippeimpfung hätte. Sie würde dies sehr befürworten, gerade jetzt zu Beginn der Grippezeit. Nachdem keiner etwas sagte, wandte sich Aurora direkt mir zu. „Was ist mit dir, Lana? Du hast doch Familie, die du sicher nicht anstecken willst!“, fragte sie mit so einem Unterton in der Stimme, der irgendwie ein „Nein“ nicht als Antwort gelten lassen würde. Hätte ich nicht so panische Angst vor Nadeln (also nicht, wenn ich Patienten spritzen muss, da stehe ich ja auf der richtigen Seite der Nadel) hätte ich der Impfung natürlich sofort zugestimmt. Vierzehn Tage mit Grippe im Bett liegen, will ich ja auch nicht. Aber die Aussicht auf einen äußerst schmerzhaften Nadelstich mit vermutlich anschließeder Schwellung war auch nicht gerade überzeugend. Außerdem hatte ich in meinem ganzen Leben noch keine Grippe gehabt. Mein betretenes Schweigen deutete Aurora wohl als Einverständins und fuhr fort: „Lana, du kannst doch auch i.m.-stechen, ja?“ Ohne darüber nachzudenken, wie diese Frage eigentlich gemeint war, nickte ich eifrig. Endlich könnte ich auch mal etwas Anderes, als immer nur diese öden Verbandswechsel und den ganzen Papierkram machen. Ja, hin und wieder war ein EKG zu schreiben, aber doch sehr selten. Wenn es nicht akut war, verwies Aurora ihre Patienten an die internistische Gruppenpraxis gleich in der Nähe. „Sehr gut, dann stichst du mich und ich steche dich. Bis nächste Woche habe ich die Impfstoffe parat“ meinte sie zuversichtlich. Ich war wie gelähmt vor Schreck und konnte gar nichts darauf erwiedern. Aurora machte einfach weiter im Text, damit wir schnell mit dem Teamgespräch fertig wurden.

Die eine Woche verging viel zu rasch. Für einen Moment hatte ich schon überlegt, mich „krank“ zu melden, aber dass dies eine blöde Idee war, lag auf der Hand. Wie immer, war ich eine Viertelstunde vor Ordinationsbeginn da. Paolo war ebenfalls schon hier und sortierte die neuesten Blutbefunde. „Hi Paolo, wo ist denn unsere Frau Doktor? (Wenn Aurora nicht da ist, sprechen wir von ihr als „Frau Doktor“, vor allem vor den Patienten). „Hausbesuch“ murrte Paolo. Kein „Hi“ oder sonst eine Begrüßung. Typisch Paolo. Ich verschwand in der Gaderobe, um mich umzuziehen. Kurz darauf kam Aurora in die Praxis. „Es stehen schon ein paar Patienten draußen vor der Tür. Komm‘ Lana, machen wir schnell die Impfung und dann sperren wir auf“, erklärte sie, als ob dies unsere übliche Routine wäre. Mein Herz klopfte wie wild und meine Handflächen wurden schon ganz feucht. Ein dumpfes Gefühl machte sich in meiner Magengrube breit. Wie angewurzelt blieb ich stehen. „Wo bleibst du denn? Im Behandlungsraum 1 liegt schon alles bereit.“, rief sie rüber. Mit weichen Knien schwankte ich ins Nebenzimmer. Der Geruch von Desinfektionsmittel, den ich sonst gern mochte, löste plötzlich eine Woge der Panik in mir aus. Als ich ins Behandlungzimmer eintrat, atmete ich erleichtert auf. Aurora saß mit hochgekrempeltem Ärmel auf der Behandlungsliege und wartete darauf, dass ich sie zuerst impfte. Eine enorme Last schien plötzlich von mir abgefallen zu sein. Meine Professionalität übernahm nun das Kommando, wobei ich noch immer ein bisschen nervös war. Während ich mir die Hände desinfizierte, fragte ich Aurora, eher scherzhalber: „Waren Sie in den letzten zwei Wochen mal krank?“ (Sie fragt die Patienten, die zum Impfen kommen auch immer). Offensichtlich teilten wir nicht den gleichen Humor, denn sie ignorierte meine Frage und meinte nur.“ Mach‘ einfach und dann haben wir Sprechstunde.“ Mit noch leicht zitternden Fingern nahm ich die Fertigspritze aus der Verpackung raus. Zwischen Daumen, Zeige- und Mittelfinger eingeklemmt hielt ich sie auf Augenhöhe und klopfte die Luftbläschen raus. Mittlerweile hatte ich mich wieder im Griff und konnte mich auf das Vorbereiten der Injektion konzentrieren. Aurora wirkte schon etwas ungeduldig. Mit einem Isozid-Tupfer desinfizierte ich die Stelle am Oberam (Musculus deltoideus – der war mal eine meiner Prüfungsfragen während meiner Ausbildung gewesen). Zügig stach ich zu und schob die relativ kurze Nadel bis zum Anschlag rein. Kolben zurückziehen, um zu sehen, ob Blut aspiriert wird. Nein (natürlich nicht, schließlich kann ich das ja) – also die ganze Füssigkeit reindrücken und fertig. Aurora wollte schon aufstehen, als ich etwas kleinlaut sagte: „Warte, ich kleb‘ noch schnell ein Pflaster drauf.“ Aber die Frau Doktor rauschte schon an mir vorbei in ihr Sprechzimmer. Oh Gott sei dank! Schusselig, wie sie manchmal ist, hatte sie meine Impfung wohl vergessen.

Um Punkt 18.00 Uhr verließ auch der letzte Patient die Ordination. Paolo und ich begannen, alles für den nächsten Tag vorzubereiten. Als ich gerade dabei war, den Autoklaven einzuschalten, rief Aurora nach mir. Ich drückte noch auf den Startknopf und ging zu ihr ins Sprechzimmer. Ohne Umschweife kam sie zum Thema. „Du kannst dich gleich auf die Untersuchungsliege setzen, dann kriegst du auch deine Grippeimpfung“. Verdammt! Sie hatte es doch nicht vergessen. Erneut stieg Panik in mir hoch. Ich fühlte mich total überrumpelt. Meine Hände wurden wieder ganz feucht und mein Herz raste wie verrückt. In der ganzen Aufregeung hat es vielleicht sogar einen Schlag ausgesetzt. Stocksteif blieb ich in der Tür stehen. Ich konnte mich einfach nicht vom Fleck rühren. „Lana, du siehst fürchterlich aus! Geht’s dir etwa nicht gut“, erkundigte sich Aurora, nachdem sie meinen angsterfüllten Gesichtsausdruck wahrgenommen hatte. „Doch, doch, alles in Ordnung:“ antwortete ich unüberlegt. „Also ehrlich gesagt, nein. Ich hab‘ ziemliche Kopfschmerzen und wäre froh, wenn wir die Impfung auf nächste Woche verschieben könnten“ stammelte ich verlegen. Ich wollte schon kehrtmachen, damit ich noch die restliche Arbeit erledigen konnte, doch da stand Aurora auch schon vor mir und sah mich prüfend an. „Ich hab‘ den Impstoff schon vor einer Stunde aus dem Kühlschrank genommen, den kann ich leider nicht noch einmal einkühlen. Also muss die Impfung heute sein.“, erklärte sie ungerührt. Vor Schreck wurde ich weiß wie die Wand. „Aber zunächst will ich dich kurz untersuchen, um sicherzugehen, dass du nicht ernsthaft krank wirst“, ergänzte sie, während sie mich sanft, jedoch bestimmt zur Liege schob. Ich stand kurz vor der Erfüllung meines schlimmsten Albtraumes.

„Das ist wirklich nicht nötig! Das ist bestimmt nichts Schlimmes“, versuchte ich die drohende Untersuchung abzuwenden. „Das werde ich entscheiden“, stellte sie mit ungewohnter Strenge klar.

„Seit wann hast du denn Kopfschmerzen?“, wollte die Ärztin von mir wissen. Was war die bessere Antwort? „Schon den ganzen Tag“ oder „seit etwa einer Stunde“? Ich entschied mich für Ersteres, das könnte sich ja vielleicht zu einer „Migräne“ entwickeln und Aurora würde mich einfach nach Hause schicken. Bald würde das wohl keine Lüge mehr sein, ich konnte schon spüren, wie es entlang der Schläfe leicht zu klopfen begann.

„Einseitig?“

„Ja, links“ antwortete ich und es war wirklich nicht sehr viel geschwindelt.

„Pulsierend, stechend, dumpf oder drückend?“, bohrte sie weiter nach.

„Von allem ein bisschen etwas.“ Oh Gott, war das eine dumme Antwort. Naja, ich konnte sie auch nicht mehr zurücknehmen

„Aha. Irgendwelche Begleiterscheinungen? Übelkeit, Erbrechen Licht- oder Lärmempfindlichkeit?“

Lärmempfindlichkeit ja, denn langsam ging mir ihre penetrante Stimme auf die Nerven. Aber ich antwortete einfach nur mit „Nein“.

Sorgfältig notierte sie alles mit, ganz die Allgemeinmedizinerin, die sie nun einmal war.

„Als erstes werden wir deine Temperatur messen und dann schauen wir weiter. Du weißt selbst, wenn du auch nur leichtes Fieber hast, können wir die Impfung vergessen.“ Tatsächlich nahm sie eines der alten Glasthermometer aus dem Keramikbecher heraus und reichte es mir. Aurora hatte eine ganze Sammlung an Fieberthermometern. Einige Alte aus Glas mit Quecksilber, dann die etwas Neueren mit dieser blauen Flüssigkeit drinnen und unzählige Digitalthermometer, wobei viele von denen irgendwelche Werbegeschenke waren. Außerdem besaß sie noch ein Ohrthermometer, das sie so gut wie nie benutzte Ich klemmte mir das alte Ding unter den Arm und hoffte auf ein kleines Wunder. Eigentlich war mir schon recht heiß von dem ganzen Stress geworden und vielleicht würde das Quecksilber das auch so sehen. „Ich komme gleich wieder zurück, ich geh‘ mir eine Tasse Tee machen“ verkündete die Ärztin und verließ das Sprechzimmer. Rasch nahm ich das Thermometer in die Hand und begann die Spitze auf meinem Oberschenkel hin und herzureiben. Dabei achtete ich darauf, dass die silberne Spitze ständig von meinem Finger fest gegen meine enganliegende Hose gedrückt wurde. Als ich Auroras Holzschlapfen auf dem Laminatboden klappern hörte, warf ich einen kurzen Kontrollblick auf die Quecksilbersäule. 39,3°C – das war zu viel! Schnell ein bisschen runterschütteln! Das ging aber streng! Ich hatte keine Zeit mehr, noch einen Blick zu riskieren und legte das Fieberthermometer wieder in meine Achselhöhle. Dazu setzte ich einen leidenden Gesichtsausdruck auf.

Aurora kam mit ihrer Tasse Tee (sie trinkt immer so seltsame Kräuterteemischungen) und etwas Anderem in der Hand zurück. Nachdem sie die Tasse auf ihrem Schreibtisch abgestellt hatte, drehte sie sich mir zu. So konnte ich sehen, was sie in der anderen Hand mitgebracht hatte: das Ohrthermometer. Sie schaltete es ein und kam auf mich zu. „Es macht dir doch nichts aus, wenn wir mit dem hier auch noch mal messen, oder?“ Ohne meine Antwort abzuwarten, (was für Ärzte oft typisch ist) steckte sie mir das Ding schon ins Ohr und drückte auf den kleinen Knopf. „Ich wollte nur sehen, wieviel Unterschied die beiden Thermometer anzeigen. Vielleicht sollten wir die älteren Modelle, mal eichen lassen“ erklärte sie so nebenher. Der Piepton kündigte das Ergebnis der Messung an. „36,7°C, das ist ja soweit gut. Dann wollen wir mal sehen, was das andere Thermometer sagt. Ohne drauf zu sehen, reichte ich es ihr. „38,1°, das kann ja nicht stimmen! Es is wohl wirklich Zeit für eine Eichung, sonst müssen wir die guten alten Glasthermometer aus dem Verkehr ziehen“. Mir war das furchtbar peinlich. Glücklicherweise, war der Verdacht, ich hätte geschummelt, gar nicht erst aufgekommen.

Als Nächstes untersuchte sie meinen Hals, meine Ohren und tastete die oberen Lymphknoten ab. „Zum Glück scheinst du keine Erkältung auszubrüten, aber ich werde noch die Lunge abhören, um ganz sicher zu gehen.“ „Tief ein- und ausatmen“, ordnete sie mir an, während sie sich die Oliven ihres burgundifarbenen Stethoskops in die Ohren steckte. Derweil zog ich meinen Kasack hoch, damit sie gut an die Auskulationspunkte herankam. Unwillkührlich zuckte ich zusammen, als die kalte Membran meine Haut berührte. Ich hätte das Stethoskop vorher desinzieren sollen, durchfuhr mich dieser etwas ungewöhnliche Gedanke. Das machte Aurora nämlich nie (und auch sonst kein Arzt), was ich wirklich furchtbar unhygienisch fand. „Deine Lungen sind frei. Meiner Meinung nach spricht nichts gegen die Grippeimpfung“, fasste sie ihr Ergebnis der Untersuchung zusammen. Verzweifelt ließ ich meinen Kopf hängen und starrte auf den Boden.

Die Ärztin griff nach der Nierentasse, in der die Fertigspritze schon bereit lag. Das Scheppern der kleinen Spritze in der Metalltasse ließ mich aufschrecken. „Mir ist irgendwie übel“, klagte ich und machte eine theatralische Pause, während ich meine Hand schützend auf meinen Bauch legte. „Ich glaube, ich muss mich übergeben“, setzte ich noch oben drauf. Überrascht sah mich Aurora an. „Am besten legst du dich mal hin“, ordnete sie an. Ich wagte es nicht, zu widersprechen und machte, was sie von mir verlangte. Ungefragt schob sie meinen Kasack nach oben. Mit ihren kalten Händen begann sie, meinen Bauch unsanft abzutasten. In der Magengegend drückte sie ziemlich fest herum, wodurch ich etwas verkrampfte. Dann zückte sie erneut ihr Stethoskop und lauschte meinen Magen-Darmgeräuschen. „Ich kann nichts Ungewöhnliches feststellen. Ich werde jetzt kurz lüften und danach geht’s dir sicher besser. Bleib‘ einfach noch liegen“, bemerkte die Ärztin und ging zum Fenster. Anschließend nahm sie auf dem Rollhocker neben mir Platz. „Ich möchte noch deinen Blutdruck kontrollieren“, erklärte sie und krempelte erneut meinen Ärmel hoch. „Atme ein paar Mal tief durch und versuch‘ dich zu entspannen. Schließe deine Augen, dann wird die Übelkeit sicher gleich verfliegen.“ Ohne Widerrede folgte ich ihren Anweisungen Im Nächsten Moment spürte ich, wie sie mir die Blutdruckmanschette um meinen rechten Arm legte. Geduldig wartete ich darauf, dass Aurora die Manschette aufpumpte, doch nichts geschah. Stattdessen fühlte ich etwas Kaltes, Feuchtes ein wenig oberhalb der Manschette. Als ich gearde die Augen öffenen wollte, durchfuhr mich ein stechender Schmerz, gefolgt von einem intensivem Brennen. Ich war perplex und konnte gar nicht fassen, was soeben passiert war. Fassungslos starrte ich sie an. Vor Wut zitterte ich am ganzen Körper und eine einzelne zornige Träne lief meine Wange hinunter. Ich brachte immer noch kein Wort hervor. Aurora schien meine Reaktion zu ignorieren. Schließlich entfernte sie die Blutdruckmanschette. „Deine Symptome sind ja sehr diffus und obwohl ich nicht glaube, dass du einen Infekt ausbrütest, werde ich dir was zur Vorbeugung geben“, sagte Aurora bestimmt.

Die Einstichstelle schmerzte jetzt schon ganz schön. Das würde später sicher noch schlimmer werden.

„Danke, aber das ist nicht nötig“, antwortete ich freundlicher, als ich es eigentlich wollte. „Ich schlucke eh jeden Tag Vitamintabletten“, ergänzte ich noch. Langsam setzte ich mich auf und zog mir mein Oberteil zurecht.Für mich war das Thema damit abgehackt. Ich wollte nur noch hier raus und Paolo fragen, ob ich vielleicht heute früher gehen könnte. Die restlichen Nebentätigkeiten würde er ganz sicher auch ohne meine Hilfe schaffen. Ungerührt blieb Aurora vor mir stehen und versperrte mir den Weg. „Du bekommst jetzt zwei Vitaminsprizten von mir, die wirken viel rascher als die Tabletten. Schließlich musst du auch morgen wieder zur Arbeit kommen. Einen Krankenstand während der Grippehochsaison kann ich wirklich nicht brauchen!“, herrschte sie mich an. „Ich werd‘ schon nicht krank werden“, stotterte ich verlegen. Langsam schien sich die Allgemeinmedizinerin von mir auf den Arm genommen zu fühlen und nun auch das letzte bisschen Geduld zu verlieren. „Lana, da gibt es kein Entkommen mehr. Leg‘ dich hin und mach‘ dich frei“, kommandierte sie genervt. Ich traute mich nicht, ihr zu widersprechen. Also legte ich mich hin und schob den Ärmel am linken Arm ein wenig hinauf. „Nein! Also was ist denn heute los mit dir???“, schrie sie mich gereizt an. „Die Spritzen bekommst du gluteal, das sind ja jeweils 10ml!“, erklärte sie als ob ich schwer von Begriff wäre. Dabei wollte ich einfach nicht meiner Chefin meinen blanken Hintern präsentieren. Beinahe in Zeitlupe stand ich wieder von der Liege auf und schob mir die weiße Hose runter bis zu den Kniekehlen. Der weiße Kasack verdeckte noch meinen Slip und ich hielt ihn weiter nach unten gesapnnt, als ob mein Leben davon abhinge. „So, jetzt mach‘ bitte weiter und leg‘ dich auf den Bauch!“ Dabei deutete Aurora mit ihrem langen Zeigefinger auf die Untersuchungsliege. Höchst ungern kam ich ihrer Aufforderung nach.

Ich war die ganze Woche noch nicht zum Wäsche waschen gekommen und hatte daher heute früh kaum noch saubere Unterwäsche. Notgedrungen musste ich zu meiner Reservewäsche greifen. Als ich mich nun auf den Bauch legte und mein Kasack dabei nach oben rutschte, gab dieser den Anblick auf einen ziemlich großen Snoopy, der quer über meine Pobacken lag, frei. Den Slip hatte ich noch aus Teenagertagen. Warum bloß hab‘ ich ihn so lange aufgehoben und ausgerechnet heute angezogen? Am liebsten wäre ich auf der Stelle im Boden versunken. Aurora ist immer so modisch gekleidet, sie trägt bestimmt keine Liebestöter aus weißer Baumwolle mit einer Comicfigur drauf.

Ich wagte es nicht, meine Chefin anzusehen und vergrub mein Gesicht, so gut es ging, auf der Liege. Damit Aurora mich nicht schon wieder anschnauzte, zog ich freiweillig meine Panties ein Stück unter meine Pobacken. Gleich darauf spürte ich schon, wie sie eine kleine Stelle an meiner linken Gesäßhäfte mit dem kalten Tupfer desinfizierte.

Plötzlich hörte ich, wie die Türklinke hinunter gedrückt und die Tür schwungvoll aufgestoßen wurde. Im nächsten Augenblick betrat Paolo das Sprechzimmer. „Was macht ihr denn da?“, fragte er überrascht und neugieirg zugleich. Intersseirt kam er näher und blickte von meinem blanken Hintern zu seiner Mutter und dann wieder zu mir. Aurora griff nach der Fertigspritze und ihr Sohn schien sofort zu verstehen, worum es ging. „Darf ich Lana die Injektionen verpassen?“, bot Paolo seine Hilfe an und lächlte mich schellmisch an, als seine Mutter gerade nicht hinsah. Das laute Klingeln von Auruoras Handy hinderte sie, ihrem Sohn zu antworten. Sie nahm das Gespräch entgegen und verschwand mit dem Telefon am Ohr ins Nebenzimmer. Mit großem Interesse beäugte Paolo unterdessen die beiden Spritzen, die schon in einer Nierentasse bereit lagen und nur auf ihren Einsatz warteten und grinste mich wieder so komsich an. Ich wollte mir gearde den Slip wieder anziehen, da kam Aurora zurück. „Ich muss zu einem dringenden Hausbesuch. Ja, Paolo, du kannst ihr die beiden Vitaminspritzen verabreichen, aspirieren nicht vergessen“, sprach sie noch, schnappte sich ihre Arzttasche und verschwand. An meiner linken Pobacke glänzte die kleine Stelle, die noch leicht feucht vom Desinfektiosmittel war. „Toll, da muss ich ja gar nicht lange suchen“, sagte Paolo und zog sich Einmalhandschuhe an. Vermutlich rein aus böser Absicht ließ er das Gummiband um sein Handgelenk schnalzen, was mir einen kalten Schauer über den Rücken jagte. Er war zwar Medizinstudent im 4. Semester, aber ich bezweifelte, dass er schon viel Praxiserfahrung hatte. Etwas zaghaft setzte er die Nadel an und stach sie umso kräftiger tief in meinen Muskel. Ich schrie vor Schmerzen auf. Obwohl ich nicht wollte, riskierte ich einen Blick nach hinten. Tatsächlich aspirierte Paolo, bevor er mir den Inhalt der Kanüle verpasste. Ich war positiv überrascht. Trotzdem tat es höllisch weh, als er mir die ganzen 10ml von der öligen Lösung injezierte. Er klebte noch ein Pflaster drüber und massierte sanft die Einstichstelle, auch das überraschte mich sehr. Anscheinend hatte er doch schon das eine oder andere von seiner Mutter gelernt. Nun machte er sich über meine rechte Backe her. Diesmal musste er die Hautdesinfektion übernehmen und fand auf Anhieb eine geeignete Punktionsstelle. Zack – Nadel rein, aspieren, Medikament applizieren und feritg. Das ging mir viel zu schnell. Erneut schrie ich vor Schmerzen auf. „Ich glaube, du hast einen Nerv getroffen!“, fauchte ich ihn an. „Das kann gar nicht sein“, versuchte er mich zu beruhigen und begann die Einstichstelle erneut zu massieren. Langsam ließ der Schmerz nach. Rasch zog ich mich wieder an und stürzte aus dem Behandlungsraum. Im Vorbeigehen erklärte ich noch meiner Kollegin, dass ich jetzt gehen musste, weil es mir icht gut ging. Das war noch nicht mal gelogen. Drei Injektionen an einem Nachmittag war mir einfach zu viel und ausgerechnet heute musste ich mit dem Rad nach Hause fahren.

Veni-Vidi-Spritze

13256422_1000710703330929_7093037569080284825_nEs fing ganz harmlos an. Carolin hatte schon während des Abendessens ein flaues Gefühl in der Magengegend. Lustlos schob sie die Schinkenfleckerln auf ihrem Teller hin und her. Den Salat hatte sie kaum angerührt. Michael, ihr Mann, hatte guten Appetit wie immer. Schließlich gab sie es auf und ließ ihr Nachtmahl stehen. Stattdessen holte sie sich eine Cola-Dose aus dem Kühlschrank. Oft half ihr dieses Getränk wenn ihr übel war, was vor allem bei kurvenreichen Strecken mit dem Auto der Fall war. Vorsichtig nippte sie an dem kalten Erfrischungsgetränk. Doch diesmal trat die gegenteilige Wirkung ein. Carolins Magen drehte sich um und sie lief mit vorgehaltener Hand zur Toilette. Gerade noch rechtzeitig schaffte sie es, sich über die Porzellanschüssel zu beugen. Schwallartig übergab sie sich ein paar Mal hintereinander. Als sie dachte, sie hätte es hinter sich, schleppte sie sich ins Wohnzimmer und ließ sich auf die Couch sinken. Auf halber Strecke kam ihr Michael entgegen, der sich aufs WC flüchtete. Kaum hatte er die Tür hinter sich zugemacht, hörte seine Frau qualvolles Würgen.

Nun war es offiziell, auch die beiden hatte die Magen-Darm-Grippe erwischt und nieder gestreckt. Sie mussten sich wohl bei ihrer Tochter Emma angesteckt haben, die den Virus ganz sicher gestern aus dem Kindergarten angeschleppt hatte. Nachdem Emma heute wieder quietschlebendig war und sogar unbedingt bei ihrer Oma übernachten wollte, hegte Carolin die Hoffnung, dass der Spuk in 24 Stunden wieder vorüber sein würde.

Doch zunächst musste sie hoffen, dass sie es rechtzeitig auf die zweite Toilette im Haus schaffen würde. Nach drei Runden gab sich Michael geschlagen und legte sich ins Bett. Seine Frau folgte ihm, jedoch blieb sie nicht lange liegen. Schon nach wenigen Minuten quälte sie sich erneut über der Kloschlüssel. Schwach wankte sie ins Bad und suchte im Medizinschrank nach den Vomex-Zäpfchen. Vielleicht würden die ihr auch in diesem Fall helfen. Normalerweise würde sie in solch einer Situtation ihren Mann um Hilfe bitten. Da es ihm aber selber nicht gut ging, musste sie eben selbst Hand anlegen. Zuvor zog sie sich noch schnell in ihr bequemes rotes Nachthemd um. „Unten ohne“ konnte sie sich das Zäpfchen viel leichter verabreichen. Sie stütze sich am Rand des Waschbeckens ab und ging leicht in die Knie. Ohne lange zu fackeln setzte sie das Zäpfchen am Poloch an und schob es durch den Schließmuskel. Zack – und drin war es. Jetzt hieß es nur mehr warten, dass das Medikament auch seine volle Wirkung entfaltete.

Carolin fragte ihren Mann, ob er auch ein Vomex haben wollte, bekam jedoch nur mehr ein leises Schnarchen als Antwort aus dem Schlafzimmer. Daraufhin legte sich wieder zu ihm ins Bett. Kaum hatte sie sich seitlich hingelegt, wurde sie von starkem Brechreiz wieder zum Aufstehen gezwungen. Über der Toilette hängend fasste sie den Entschluss, einfach hier zu bleiben und die nächste Brechattacke abzuwarten. Ihr Bauch tat ihr schon furchtbar weh. Ihr Hals brannte und der bittere Geschmack von Magensäure, verschlimmerte ihre Beschwerden. Kraftlos ließ sie sich auf den Boden sinken und kauerte sich auf den kühlen Fliesen zusammen. Sie war total müde und erschöpft, aber an Schlaf war nicht zu denken. Das Vomex hatte wider Erwartens  nichts geholfen.

Nach etwa einer weiteren Stunde des Quälens kam Michael und hockte sich neben seine Frau auf den Boden. „Schatz, komm doch endlich ins Bett. Du kannst ja nicht hier am Boden schlafen, du wirst dich auch noch erkälten.“ Matt schüttelte sie den Kopf. Er versuchte ihr auf die Beine zu helfen. Doch sie waren beide zu schwach dazu. Mit viel gutem Zureden gelang es Michael seine Frau zumindest von einer Art Embryostellung auf die Knie zu bringen. Mehr ging momentan einfach nicht. Auf allen Vieren kämpfte sie sich ins Kinderzimmer. Das war ganze zwei Meter näher als ihr eigenes Schlafzimmer. Mit letzter Kraft und der Unterstützung ihres Gatten hievte sie sich in das Bett ihrer Tochter. Erschöpft und vor Kälte zitternd kuschelte sie sich in die rosafarbene Hello Kitty-Bettwäsche. „Hast du schon was gegen die Übelkeit genommen?“ erkundigte sich Michael voller Sorgen. „Ja, aber es hat nichts geholfen. Michi, ich kann nicht mehr. Wimmerte sie und vergrub ihr Gesicht im Kissen. Entschlossen raffte Michael sich auf. Sie hörte ihn im Nebenzimmer telefonieren. Kurz darauf kam er mit einem Kübel zurück und sagte:“ Ich hab’ den Ärztefunkdienst angerufen. Der diensthabende Doc ist schon auf dem Weg hierher. Der kann dir sicher helfen!“ „Oh nein, das will ich nicht! Ist ja voll peinlich!“ klagte sie. „Stell dich jetzt bitte nicht so an! Dir geht es so schlecht, dass du nicht mal ein paar Schritte gehen kannst und liegst lieber wie ein Häufchen Elend auf dem Boden.“ fuhr er sie an. Ein einzelne Träne kullerte ihre Wange hinter. Sie fühlte sich wieder ein bisschen wie ein kleines Mädchen, als sie so zusammengekauert unter der zuckerlrosanen Decke lag. Michael setzte sich zu ihr an die Bettkante und küsste die Träne weg. „Sorry Schatz, das war nicht böse gemeint. Aber ich mach’ mir wirklich Sorgen um dich! Mich hats offensichtlich nicht so schlimm erwischt.“ versuchte er sich bei ihr zu entschuldigen. Sie nickte nur und begann von schloss die Augen.

Nacht etwa zwanzig Minuten klingelte es an der Tür. Michael empfing den Arzt und führte ihn rauf ins Kinderzimmer. Er war mittleren Alters und ein etwas dunklerer Typ. Vielleicht Grieche. Der Dok kam gleich zur Sache und setzte sich zu Carolin ans Bett. „Na, was haben Sie den für Beschwerden?“ wollte er von ihr wissen. Freundlich, aber bestimmt. Kurz und knapp schilderte sie ihm ihre Symptome. „Fieber auch?“ fragte er nach. Das konnte Carolin verneinen. Sie fühlte sich zwar hundeelend, aber wenigstens nicht fiebrig. Trotzdem legte der Arzt prüfend seine Hand auf ihre kaltschweißige Stirn. „Gut, Ihre Temperatur dürfte nicht erhöht sein.“ stellte er fest. Obwohl ihr schlecht ging, fielen ihr seine sanftmütigen, brauen Augen auf.  „Machen Sie mal bitte Ihren Bauch frei, damit ich Sie untersuchen kann.“ forderte er sie auf. Nachdem Carolin keine Unterwäsche oder sonst ewas trug, schob sie ihr ohnehin kurzes Nachthemd nur so weit, wie unbedingt nötig hinauf. Ihren Unterkörper versteckte sie unter der Decke. Mit seinen warmen Händen tastete er nun ihren Bauch ab, was zwar nicht schmerzhaft jedoch äußerst unangenehm war. „Haben Sie irgendwelche Allergien?“ fragte der Dok seine Patientin. Auch das konnte sie verneinen. Regelmäßige Medikamente konnte sie auch keine nennen. „So, dann machen Sie bitte eine Pobacke frei. Ich werde Ihnen was gegen die Übelkeit spritzen. Das wirkt sehr gut und damit wird es Ihnen schnell besser gehen.“ erklärte der Notarzt. Zögerlich drehte sich Carolin auf die Seite und fummelte nervös an ihrem Nachthemd herum. Das schnalzen der Gummihandschuhe ließ sie kurz aufschrecken. Wie aus dem Nichts brachte der Arzt eine bereits aufgezogene Spritze hervor. Mit weit aufgerissenen Augen starrte sie die lange Nadel an. Carolin hatte das Gefühl, dass er die Spritze schon die ganze Zeit irgendwo bereitliegen hatte. Wahrscheinlicher war es wohl, dass sie vor Erschöpfung kurz eingedöst war, und das Vorbereiten der Injektion gar nicht mitbekommen hatte.

Mit einem Isozid-Tupfer desinfizierte der erfahrene Mediziner den rechten äußeren Quadranten von Carolins wohl geformten Po. Wäre sie nicht so geschafft gewesen, hätte sie sich sicher gewehrt oder zumindest kurz protestiert. Aber in ihrem Zustand ließ sie es einfach über sich ergehen. Eine Nadel – ein Stich – ein Brennen. Schon war das Ganze wieder vorbei. Es dauerte nicht lange bis das Paspertin wirkte und Carolin endlich den erholsamen Schlaf fand.

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Das Bild wurde mir dankenswerterweise von Alexander Wurditsch zur Verfügung gestellt.


Ende

David braucht eine Spritze II

Hier geht es zum ersten Teil „David braucht eine Spritze“…

Als Lana und David wieder auf die Terrasse kamen, hatten sich die anderen schon zum Schwimmen umgezogen. „Da seid ihr ja endlich wieder“ stellte Andi erfreut fest. „Kommt, lasst uns jetzt alle in den Pool springen!“ schlug er weiter vor. „Oh ja, super Idee!“ antwortete David begeistert. Missbilligend schüttelte Lana den Kopf. „Du solltest jetzt nicht unbedingt Sport machen“ ermahnte sie David während sie sich langsam von ihrem Kleid befreite. Darunter kam ihr schwarzer Bikini mit buntem Schmetterlingsprint zum Vorschein. Enttäuscht blieb David alleine auf der Terrasse zurück. Immerhin hatte Lilly ihm noch ein extra Stück Kirschkuchen aufeghoben. Genüsslich nahm er den ersten Bissen als er hörte, wie einer nach dem anderen von seinen Freunden in den Pool sprang. Wehmütig sah er rüber zum Schwimmbecken in dem alle ausgelassen plantschten und lachten. Vielleicht übertrieb Lana mal wieder mit ihrer übergenauen Art. Eine Runde im kühlen Nass würde ihm schon nicht schaden. Aber zuerst wollte er den saftig fruchtigen Kuchen aufessen. Den hatte er sich schließlich nach der Impfung auch verdient.In Gedanken bereits im Wasser bei seinen Freunden, führte David die Gabel an seinen Mund und merkte nicht, dass auf dem Bissen eine Biene saß. Er schob sich den Kirschkuchen in den Mund. Erschrocken spuckte er ihn sofort wieder aus, nachdem ihn die Biene in die Zunge gestochen hatte. Sofort schwoll seine Zunge auf die dreifache Größe an und ein brennender Schmerz breitete sich in seinem gesamten Mund aus. Panik stieg in ihm hoch. David war allergisch auf Bienengift und hatte vor drei Jahren einen anaphylaktischen Schock erlitten. Seitdem hatter er immer einen EpiPen bei sich. Das Atmen fiel ihm zunehmend schwerer und er hatte das Gefühl, ihm würde etwas die Kehle zudrücken. Er sprang vom Sessel auf und rang nach Luft. Dabei riss er beide Arme in die Höhe um die Freunde auf sich aufmerksam zu machen. Andi und Lilly winkten ihm zurück. Doch Lana erkannte sofort, dass etwas nicht stimmte. Davids panischer Gesichtsaudruck und seine weit aufgerissenen Augen lösten Alarm bei ihr aus.

Sie stemmte sich auf den Beckenrand, kletterte aus dem Pool und lief über den Rasen. Sie lief so schnell sie konnte. Dabei wehte ihr langes Haar hinter ihr her und ihre Brüste wippten auf und ab. Ihre langen schlanken Beine trugen sie mit großen Schritten über die grüne Wiese. Athletisch schwangen ihre Arme eng am Körper anliegend mit. In einem roten Badeanzug hätte man sich Lana genauso gut laufend am Strand von Malibu vorstellen können.

Davids Herz hämmerte gegen seine Brust als Lana zu ihm kam. „David, was ist passiert?“ fragte sie ihn. Er konnte ihr nicht mehr antworten und deutete auf den Teller, bevor er erschöpft auf dem Boden zusammen brach. Lanas Blick fiel auf die tote Biene zwischen den Kuchenkrümeln. Sie erkannte die Situation sofort und wusste was zu tun war. Sie rief Lilly um Hilfe. David war nicht mehr ansprechbar. Mit Mittel- und Zeigefinger tastete sie seinen rasenden, aber regelmäßigen Puls an der Halsschlagader. Sein Brustkorb hob und senkte sich ebenfalls sehr schnell. Zügig brachte sie David in die stabile Seitenlage. Da waren Lilly und die anderen auch schon auf der Terrasse. Starr vor Schreck blieben sie zunächst wie angewurzelt stehen. „Lilly! Schnell, wo ist sein EpiPen?“ schrie Lana ihre Freundin an. Als ob sie erst aus ihrer Erstarrung erwachen musste, zögerte Lilly einen Moment bevor sie anfing, das lebenswichitge Medikament ihres Verlobten in seinem Rucksack zu suchen. „Dominik, lauf zum Auto und hol’ meine Notfalltasche“ kommandierte Lana. „Andi, du musst Atmung und Puls überwachen!, Setzt dich auf den Boden neben ihn“ ordnete die Krankenschwester ihrem Freund an. Andi hatte seinen Zivildienst als Sanitäter beim Roten Kreuz geleistet und war somit der Kompetenteste aus der Runde, um Davids Vitalparameter weiter zu überwachen.

Lilly gab Lana den EpiPen und war dankbar, dass sie ihm nicht selbst die Adrenalininjektion verpassen musste. Lana kniete sich neben ihren Patienten und entnahm den EpiPen aus seiner Plastikhülle. Sie entfernte die blaue Schutzkappe und hielt den Pen in ihrer linken Faust fest umschlossen. Ohne ihm die Hose ein Stück runter zu ziehen, setzte sie die Fertigspritze an Davids Oberschenkelaußenseite an und drückte den Pen fest gegen seinen Muskel. Eine lange dicke Nadel bohrte sich zuerst durch den festen Jeansstoff um sich den Weg in Davids Muskel zu bahnen. Für zehn Sekunden musste Lana den Pen in dieser Position fixieren, damit die gesamte Menge Adrenalin appliziert werden konnte. Inzwischen war Lanas Ehemann Dominik mit ihrer Notfalltasche zurück.

Da sie schon öfter in medizinische Notsituationen geraten war, hatte sie sich eine kleine Notfallausrüstung zusammengestellt, die sie regelmäßig mit Medikamenten und ähnlichem aus dem Krankenhaus ergänzte. Zum Glück hatte sie diese Tasche immer im Auto mit dabei. „Andi, miss mal den Blutdruck, leg den Pulsoxy an und bereite alles für einen Zugang vor“. Unmittelbar kam der ehemalige Sanitäter Lanas Aufforderung nach und teilte ihr die Werte mit: “90/60 Druck, tachykard bei 100, Sättigung 92“. Lana pumpte die Blutdruckmanschette, die noch immer um Davids Oberarm gelegt war, erneut auf um seine Venen zu stauen. Andi bereitete derweil 500ml Ringerlösung zur intravenösen Verabreichung vor. In der Ellenbeuge fand sie ein geeiegtes Blutgefäß und desinfizierte rasch die darüber liegende, blasse Haut. Mit einer 1,5mm dicken Nadel bohrte sie in seinen Arm und legte die Venenverweilkanüle. Sie fixierte den Katheter zunächst notdürftig mit zwei Klebesteifen und entfernte die Nadel. Gleich darauf schloss sie die Infusion an den liegenden Zugang und ließ die Flüssigkeit schnell tropfen.

Lilly wurde das alles zu viel. Heulend ließ sie sich auf einen Stuhl nieder sinken. Betty kümmerte sich sofort um sie. Sie reichte ihr ein Glas Wasser und bemühte sich, ihre Freundin so gut wie möglich zu trösten. 

Lana sah kurz ihre Tasche durch. Auf der Stelle hatte sie gefunden, wonach sie gesucht hatte: eine Ampulle Solu-Dacortin 750mg. Sie musste noch schleunigst das Trockenpulver entsprechend auflösen, bevor sie das Medikament applizieren konnte. Ein Dreiwegehahn am Venezugang wäre jetzt gut gewesen. Zum Glück konnte sie aber auch einfach den grünen Stöpsel öffnen und die Kanüle mit dem darin enthaltenen Gluccocorticoid drauf stecken. Die Ringerlösung hatte sie derweil gestoppt und den Infusionsschlauch abgeknickt, damit die Lösung direkt in dei Vene injeziert wurde.

Langsam kam David wieder zu sich. Er öffnete seine Augen und blickte ratlos um sich. Er versuchte zu sprechen, brachte jedoch nur unverständliche Worte hervor. Seine Zunge war immer noch angeschwollen. Lilly kam zu ihm gestürzt und fiel im kurz um den Hals. Unter Tränen erzählte sie ihm was passiert war. Schockiert sah er Lana an. Daraufhin erklärte sie ihm, was sie bis jetzt mit ihm gemacht hatte und zeigte ihm seinen EpiPen. Er deutete auf ein Glas Wasser. Lana erkärte ihm, dass er mit dem Trinken noch etwas warten sollte, bis er sich deutlich fitter fühlte. Seine Haut war wieder rosig und er sah wesentlich besser aus als voher. Offenbar hatte Lanas Therapie nicht nur ein bisschen geholfen, sondern vielleicht sogar sein Leben gerettet. Dominik und Andi halfen ihrem Freund, sich auf eine Sonnenliege zu legen. Lilly brachte ihm ein paar Eiswürfeln zum Lutschen. Gierig machte sich David über die Eiswürfeln her. Sie linderten nicht nur die Schmerzen des Insektenstiches, sondern verminderten auch die dadurch entstandene Schwellung. Inzwischen checkte Lana nochmals seine Vitalparameter, die nun wieder normal waren. Nachdem David nun wieder ganz wach war, wollte sie mit ihm und Lilly den weiteren Ablauf besprechen. Lana hielt es für sinnvoll, dass David noch ins Krankenhaus fahren sollte. Lilly stimmte ihr zu. Wehemment schüttelte David seine Kopf, er wollte unter keinen Umständen in irgendeine Notaufnahme gebracht und dort weiter mit Nadeln maltretiert werden. Für heute waren es schon genug Spritzen gewesen. Seine Zunge war zwar noch immer angeschwollen aber er konnte seinen Freunden sagen, dass er lieber hier bleiben wollte. Er schlug vor, dass einfach alle heute bei Andi und Betty übernachten könnten. So wäre Lana zur Stelle, wenn es sein musste. Nun war es Lana, die energisch ihren Kopf schüttelte. Das war keine gute Idee. Daraufhin verschwand sie in die Küche, um ungestört telefonieren zu können. Als sie zurück kam, wirkte sie müde und erschöpft. Sie massierte sich ihre pochenden Schläfen. Die Ereignisse des heutigen Tages waren nicht spurlos an ihr vorüber gegangen. „Ich hab’ bei mir Krankenhaus angerufen und kurz mit Dr. Zeiler gesprochen. Er ist auch der Meinung, dass David eine Nacht zur Beobachtung stationär verbringen sollte.“ sagte Lana. Noch bevor David dem etwas entgegen bringen konnte, fuhr sie fort: „du kriegst sogar ein Einzelzimmer und kannst in Ruhe Fussball schauen, ohne unser Gemecker.“ Um ihn noch endgültig zu überzeugen, beugte sie sich dicht zu ihm heran und flüsterte ihm ins Ohr: „außerdem hat heute Schwester Heidi Nachtidienst. Sie trägt immer diese kurzen Kleidchen, über die sich die Oberschwester stets aufregt und ist besonders lieb zu so Angsthasen wie du einer bist.“ Daraufhin huschte ein verträumtes Lächeln über seine Lippen. Er kannte die fesche Schwester Heidi von Lanas letzter Geburtstagsfeier. Da war er zwar mit Lilly schon zusammen, aber schauen war erlaubt. Mit einem Nicken gab David sein Einverständnis. „Du wirst heute sicher noch eine Spritze brauchen.“ unterbrach Lana seinen beginnenden Tagtraum.

Hier geht es zur Fortsetzung David braucht eine Spritze III.

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